Wie man achtsam mit Frustrationen umgeht

Der richtige Umgang mit angestauten Verletzungen

Frust ist angestauter Schmerz, von dem man sich befreien kann.

Frustrationen sind nichts anderes als eine Serie von Verletzungen

Sehen wir uns mal etwas genauer an, was Frustrationen eigentlich sind. Nehmen wir dazu folgende Beispiele: Wenn wegen eines Vorkommnisses dein Vorgesetzter gefühlt mehr als nötig auf dir rumhackt, fühlst du dich herabgesetzt, sprich du empfindest Schmerz. Wenn du ein Projekt nicht rechtzeitig beendest und deshalb die Firma in ein schlechtes Licht gerückt wird, fühlst du dich womöglich als Versager, sprich du empfindest Schmerz. Hast du eine gute Idee und sie wird jedoch von deinen Kollegen nicht ernst genommen oder als schlecht wahrgenommen, fühlst du dich nicht anerkannt. Vielleicht empfindest du sogar Zurückweisung, sprich du empfindest Schmerz.

Ganz einfach gesagt, handelt es sich bei Frustrationen um kleine Mengen an Schmerz, die sich an einem besonders schlechten Tag auch mal in einer erhöhten Dosis ansammeln können. Dadurch steigt in uns das Bedürfnis auf, alles aus uns herauszubrüllen oder auf irgendetwas mit aller Kraft einzuschlagen, um diese in uns angestaute Energie loszuwerden. Da das im Alltag aber logischerweise nicht geht, reißen wir uns zusammen und schlucken den Frust hinunter, verdrängen ihn. Das funktioniert aber natürlich nur bedingt, meistens hält die schlechte Laune den ganzen Tag über an.
Die üble Laune schleppen wir den ganzen Tag mit uns herum, ohne ein produktives Ventil dafür zu finden, bis schließlich Feierabend ist und wir sie mit nach Hause nehmen.

Kommen wir dann zu Hause bei unserer Familie oder bei unserem Partner an, der nichts von unseren Frustrationen weiß und einfach nur erfahren möchte, wie unser Tag war, platzt der Kragen endgültig und wir fahren einen uns nahestehenden Menschen an, der überhaupt nichts für unsere Frustrationen kann und einfach nur Anteil an unseren Erlebnissen nehmen wollte. Barsch, vielleicht sogar zornig sagen wir Sätze wie „Lass mich doch in Ruhe! Das geht dich überhaupt nichts an!“ oder „Ach, geh mir nicht auf die Nerven!“

Ohne es zu realisieren, verletzen wir damit einen uns wichtigen Menschen und laden unseren Frust an ihm ab. Wir stecken ihn sozusagen mit unserem Schmerz an und sorgen für eine belastete Atmosphäre. Das ist alles andere als positiv, denn schließlich soll das private Umfeld ein entlastender Ausgleich zum oft stressigen, beruflichen Alltag wirken. In so einem Fall jedoch herrscht dicke Luft, wodurch kaum Gespräche oder gemeinsame Aktivitäten möglich sind. Im schlimmsten Fall eskaliert das im Grunde nur unglückliche Missverständnis in einen hässlichen Streit. Am Ende geht man schließlich mit schlechtem Gefühl ins Bett und oft ist auch am nächsten Morgen ist der unnötige Zwist nicht einfach Schnee von gestern.

Erkennst du dich in diesen Schilderungen wieder? Passiert es dir öfter, dass du jemanden, der dir eigentlich wichtig ist, vor den Kopf stößt, indem du deinen Frust an ihm auslässt, ohne dass du es realisierst?

Wenn du alle diese Fragen mit ja beantworten kannst und jetzt vielleicht sogar schockiert feststellst, was du getan hast, dann ist eine Sache von größter Wichtigkeit: Malträtiere dich jetzt auf gar keinen Fall mit Selbstvorwürfen. Wenn du den Text bisher aufmerksam gelesen hast, dann weißt du auch, dass du nichts anderes getan hast, als nach einem Ventil für deinen Frust zu suchen, der im Grunde genommen nichts anderes als Schmerz ist. Du wolltest nichts anderes, als dich davon zu befreien und dabei geriet einer deiner Mitmenschen ins Kreuzfeuer. Unbewusst hast du ihn also in Mitleidenschaft gezogen.
Wenn du dich jetzt schuldig fühlen solltest, ist das nicht schlimm. Im Gegenteil, es beweist nur, dass du ohne böse Absicht gehandelt hast, es dir schlicht nicht bewusst war. Sei nachsichtig mit dir und mach dir bewusst, welche Auswirkungen dieses Verhalten langfristig hat. Das ist schon die halbe Miete.

Mit Frustrationen lässt sich nur umgehen, wenn man Verantwortung übernimmt

Wie genau vermeidet man es nun konkret, dass sich über den Tag angestaute Frustrationen nicht unkontrolliert entladen?
Als erstes musst du dafür die Verantwortung übernehmen. Konkret heißt das, du musst dir bewusst machen, dass es kaum einen Tag geben wird, der durch und durch positiv verläuft. Es wird immer wieder Phasen geben, in den du am liebsten an die Decke gehen möchtest. Das ist verständlich, weil das Leben nun mal kein Wunschkonzert ist und uns gern vor Herausforderungen stellt.

Die nächste Etappe sind deine Mitmenschen. Werde dir darüber klar, dass deine Frau, dein Mann oder deine Kinder nicht das Geringste für die Frustrationen können, die du während des Tages erfahren hast und sie es konsequenterweise auch nicht verdient haben, dass du deinen Frust an ihnen auslässt. Nicht zu vergessen, dass der ausgleichende Gegenpol dadurch stark belastet wird.

Das bedeutet jetzt nicht, dass du mit einem lachenden Gesicht zu Hause ankommen sollst, wenn dir in Wahrheit zum Heulen zumute ist, aber man kann anders damit umgehen. Teile dich einfach deinen Mitmenschen mit. Wenn dir gerade nicht nach Reden zu Mute ist, dann kommuniziere das entsprechend. Kein Mensch wird etwas dagegen einzuwenden haben, wenn du sagst: „Entschuldige Schatz, ich hatte heute einen echt miesen Tag. Gib mir bitte ein paar Minuten, um mich wieder zu sammeln.“ Im Gegenteil, man wird eher deine Ehrlichkeit zu schätzen wissen.

Nimm dir Zeit für dich, um dich von deiner Frustration zu lösen. Dazu hast du mehr als genug Möglichkeiten, z.B. Meditation, Sport oder eine kreative Beschäftigung.

Wenn du konsequent dabei bleibst und stets im Kopf behältst, worum es geht, nämlich nicht unnötig deine Mitmenschen zu verletzen, dann wird dieses Verantwortungsbewusstsein immer mehr zur Selbstverständlichkeit für dich. Diese positive Veränderung wird auch deinem Umfeld nicht entgehen.

Alles Liebe

Sayeda

Zurück