Weshalb Langeweile von Vorteil ist

Oder: was feste Routine dir bringt

Beginnst du dich zu langweilen, ist das ein gutes Zeichen für neue Ideen.

Monotonie sorgt für innere Ruhe

Die meisten von uns stehen irgendwann vor der Herausforderung, ihr Leben selbstständig in die Hand zu nehmen und vom Elternhaus flügge zu werden. Oft passiert das während der Ausbildung oder zu Beginn eines Studiums. Spätestens aber danach ist es aber dann wirklich so weit, weil man als junger Mensch zunehmend den Drang verspürt, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Es ist vollkommen klar, dass das im Elternhaus nicht voll und ganz umgesetzt werden kann. Ganz unabhängig davon, dass es für die eigene Entwicklung unerlässlich ist, die Erfahrung der Selbstständigkeit zu machen.
In diesem Zeitraum pendelt sich oft noch kein wirklicher Alltag ein, da man als Student viele Freiheiten hat, die man auch ausgiebig nutzt. Man ist unterwegs, lernt neue Menschen kennen und knüpft neue Beziehungen.

Irgendwann steht man jedoch vor der Herausforderung, als Erwachsener endgültig die Zügel in die Hand zu nehmen und eine Arbeit zu finden, von der er auch leben kann. Gerade heutzutage ist das nicht mehr selbstverständlich in Anbetracht von Zeitarbeit und befristeten Anstellungen das passende zu finden. Oft dauert es je nach Qualifikation und persönlichem Engagement viele Monate oder sogar einige Jahre, bis man eine passende Anstellung gefunden hat. Damit meine ich jetzt nicht den absoluten Traumjob, sondern einen Job, der einem das Leben mit allem was dazu gehört, ausreichend finanziert.
Der Weg dorthin ist recht beschwerlich und kostet viel Energie. Nicht selten muss man anfangs auch Opfer bringen durch lange Pendelzeiten, großer Verlust an Freizeit oder niedrigem Gehalt. Die wenigsten kommen drum herum, unabhängig davon wie qualifiziert sie sind.

Hat man es dann jedoch geschafft, ist es eine große Erleichterung, sich erst mal über die nächsten Jahre keine Sorgen mehr machen zu müssen. Wir Menschen neigen dann allerdings dazu, allmählich in einen Trott zu verfallen, durch den wir uns nicht mehr weiter entwickeln.
Vielen Menschen macht das nichts aus, aber es gibt auch genug, die irgendwann die ständige, sich immer wiederholende Monotonie satt haben und schlicht wahnsinnig dabei werden.

Mal angenommen, du bist einer von der Sorte, der sich in einem bestimmten Bereich seines Lebens zu Tode langweilt, dann kannst du dir auf die Schulter klopfen. Das bedeutet nämlich, dass du erst mal eine gewisse Stabilität im Leben erreicht hast, die für deine persönliche Entwicklung sehr wichtig ist.

Ruhe ist wichtig für Entfaltung

Wenn du deine Arbeit sozusagen im Schlaf erledigen kannst, dann ist die damit einhergehende Ruhe ein idealer Nährboden für neue Ideen und Gedanken. Du kannst in Ruhe überlegen, ob du so weiter machen willst, oder etwas anderes anfangen möchtest.
Viele glauben, dass Ruhephasen oder Langeweile von Nachteil sind, weil man dazu neigt, gar nichts neues mehr anzufangen und sich in einem nie endenden Trott bewegt. Ganz falsch ist das nicht, aber jeder Mensch sollte sich selbst realistisch einschätzen können, wie viel Ruhe er braucht, bevor er wieder starten kann.

Einige Schriftsteller zum Beispiel sagen von sich aus, dass sie nach Vollendung eines Romans ein bis zwei Monate brauchen, bevor sie sich an das nächste Projekt wagen. Die Batterien müssen sich einfach wieder aufladen. Bei einigen geschieht das schneller, bei anderen langsamer.

Die Vorstellung, einfach dazu sitzen und nichts zu tun zu haben, ist verständlicherweise erst mal unangenehm, aber das ist die ideale Voraussetzung dafür, dass Kreativität entstehen kann. Man geht zwangsläufig in sich, denkt über sich, seine Stärken und Schwächen nach. Man kommt in Kontakt zu sich selbst und berührt dabei möglicherweise verstecktes Potential, das einem noch gar nicht bewusst war.

Natürlich bringt es überhaupt nichts, wenn man sich permanent über sein langweiliges Leben aufregt. Das ist pure Energieverschwendung. Ist es also nicht sinnvoller, die bestehende Sicherheit zu schätzen und konstruktiv für sich zu nutzen? Viele Menschen sind derart von Sorgen geplagt, dass sie kaum Zeit dafür haben, sich mit ihren schlummernden Wünschen und Fähigkeiten auseinanderzusetzen.

Ich allein bin ein sehr gutes Beispiel dafür. Bei meinem ersten Job habe ich täglich alleine drei Stunden gebraucht um zur Arbeit und wieder zurück zu kommen. Du kannst dir vorstellen, wie viel Kraft und Nerven das gekostet haben muss. Einige würden jetzt einwenden, dass man doch die Zeit sinnvoll nutzen könnte, um zumindest Kleinigkeiten zu erledigen. Dem stimme ich gerne zu, aber nicht, wenn man zweimal umsteigen muss und dann im Bus sitzt, in dem man bekanntlich nicht lesen kann, weil das für Übelkeit sorgt. Allerdings hatte ich die Möglichkeit, wenigstens Musik zu hören und so Inspiration zu sammeln. Das kommt mir jetzt zugute.

Es gibt also immer Möglichkeiten, wie man Leerläufe und Ruhephasen konstruktiv für sich nutzen kann, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Ich zweifle nicht daran, dass es auch eine gewisse Portion Mut erfordert, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, aber es lohnt sich immer.

Ein festgelegter Tagesablauf gibt dir also nicht nur Sicherheit, sondern auch die innere Ruhe, die du brauchst, um Ideen dafür zu entwickeln, wie du dich verwirklichen kannst. Wenn du dir keine Sorgen darüber machen musst, ob du die nächste Monatsmiete zahlen kannst, oder wo du am Abend was zu essen bekommst, hast du Raum für dich, weil er nicht von Sorgen belastet ist.

Wenn du also soweit bist, dass dir dein Leben eintönig vorkommt, dann nutze genau das, um auf kreative und einfallsreiche Weise eine neue Richtung einzuschlagen. Denn dann hast du auch die Zeit dafür, sonst würde bei dir keine Langeweile aufkommen.

Viel Spaß und Erfolg dabei!

Alles Liebe

Sayeda

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