Wenn Motivation auf null ist

Oder: Tage, an denen man sich nicht aufraffen kann

Manchmal kann man sich nicht aufraffen und das ist auch absolut okay.

Warum die Motivation an manchen Tagen ausbleibt

Kaum einer kennt diese Situation nicht: Man wacht morgens auf und fühlt sich einfach nur kraftlos. Man liegt grübelnd unter der warmen Bettdecke und hat auf gar nichts Lust. Einerseits will man wirklich einfach gar nichts in Angriff nehmen, andererseits hat man aber auch ein schlechtes Gewissen, weil man nicht faul sein möchte. Nach ewigem grüblerischen hin und her rafft man sich dann doch auf und zwingt sich aus dem Bett, macht sich frisch, krempelt angestrengt die Ärmel hoch, will loslegen und… es passiert nichts. Man hockt vor dem Bildschirm, am Handwerkstisch oder sitzt auf dem Trainingsgerät und macht einfach nichts. Im Hirn herrscht die reinste Blockade und die normalerweise einstudierten Abläufe wollen einfach nicht starten. Frustriert gibt man schließlich auf und weiß für den Rest des Tages nichts mehr mit sich anzufangen, weil das schlechte Gewissen auch keine Ruhe geben will.

Eines vorneweg: Solche Tage gibt es immer wieder mal. Wir sind ständig im Leistungsmodus und verlangen uns eine ganze Menge ab. Das wird mitunter anstrengend, aber weil das für uns zur Gewohnheit geworden ist, denken wir gar nicht daran, mal eine Pause einzulegen und machen einfach weiter. Da ist es nicht verwunderlich, eines Tages festzustellen, dass die Batterien leer sind. Also bringt es überhaupt nichts, ein schlechtes Gewissen zu haben und unnötigen Frust anzustauen. Viel hilfreicher ist es, solche Tage als Gelegenheit zu betrachten.

Motivationslosigkeit bedeutet Erschöpfung und nicht Faulheit

Wie bereits erklärt, gibt es immer wieder mal solche Tage, an denen einfach nichts funktionieren möchte. Anstatt sich deswegen mit Selbstvorwürfen zu malträtieren, sollten wir uns viel mehr darüber bewusst werden, dass wir Lebewesen und keine Maschinen sind (und selbst die brauchen eine Pause) und uns hin und wieder auch mal zugestehen, dass wir erschöpft sind und eine Pause brauchen. Andernfalls brennen wir uns nur selbst aus und ruinieren so auf lange Sicht unsere physische und psychische Gesundheit.

Wenn es also wirklich mal den einen oder anderen Tag gibt, an dem du merkst, dass einfach gar nichts geht, dann zwing dich zu nichts und mach dir vor allem keine unnötigen Vorwürfe. Akzeptiere, dass deine Batterien gerade leer sind und du sie wieder auftanken darfst. Entspanne dich und überlege dir stattdessen, was du tun kannst, damit es dir morgen wieder besser geht.

Nutze die Gelegenheit und widme dich Hobbys oder Interessen, die dir Spaß machen und dich wieder hochziehen. Dinge, die deine Energie wieder aufladen und deine Laune wieder steigern. Vielleicht sind sie in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen, weil du eben an andere Pflichten gebunden warst. Einfach gesagt: Erhole dich.

Erschöpfung und Faulheit richtig unterscheiden

Da stellt sich als nächstes die berechtigte Frage: Woher weiß man, dass man tatsächlich mit seinen Kräften am Ende ist und nicht einfach nur faul? Schließlich soll es nicht als Ausrede dienen und so Untätigkeit zur Gewohnheit werden lassen.

Diese Frage lässt sich nur richtig beantworten, wenn man unumschränkt ehrlich mit sich selbst ist. Entscheidend sind die aufkommenden Gefühle. Klingelt morgens zum Beispiel der Wecker und das aufkommende Gefühl ist sowas wie: „Nein, nicht schon wieder dieser elende Wecker!“ oder „Jeden Morgen dasselbe!“, dann ist es wohl nur der innere Schweinehund, der einen dazu überreden will, den Wecker wieder auszuschalten oder auf die Schlummertaste zu drücken.

Wacht man dagegen auf und hat schon kaum Kraft, den Wecker auszuschalten, dann sollte man diesen Zustand ernst nehmen und in sich hineinhören. Welches Gefühl hat man dabei, sich dem heutigen Tag zu stellen? Möchte man sich einfach nur verkriechen, weil man sich dem nicht gewachsen fühlt oder weil man keine Lust hat? Fühlt man sich wirklich überlastet, dann ist es wirklich an der Zeit für eine Pause.

Natürlich kann man nicht einfach im Bett liegen bleiben (zumindest nicht für lange). Man muss trotzdem zur Arbeit, den Haushalt organisieren und sich gegebenenfalls um die Kinder kümmern, aber man sollte sich dabei auf das nötigste beschränken und nicht mehr als unbedingt nötig von sich verlangen. Tu also, was du tun musst, aber wirklich nicht mehr als du schaffst.

Tage der fehlenden Motivation vermeiden?

Gibt es eine Möglichkeit, solche lustlosen Tage zu vermeiden? Das ist nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten. Meines Erachtens lassen sie sich vermutlich reduzieren, aber völlig vorbeugen halte ich für zumindest sehr unwahrscheinlich, wenn auch nicht unmöglich.

Was man auf jeden Fall versuchen kann, ist sich Zeiten der Ruhe und Erholung fest in den Alltag zu integrieren und auch wirklich entsprechend zu nutzen. Wer regelmäßig seine Reserven wieder auflädt, wird seltener absolut erschöpft sein. Da es sich jedoch nur um kurze Farbtupfer im ansonsten engen Terminkalender handelt, werden solche Tage wahrscheinlich nur seltener vorkommen und nicht gänzlich verschwinden, weil das Leben nun mal bisweilen anstrengend sein kann. Das fordert den entsprechenden Tribut.

Anders verhält es sich natürlich, wenn jemand ein Leben führt, indem er rundum zufrieden ist und durch das was er tut, Energie erhält und nicht verliert. Das Energieverhältnis ist automatisch ein anderes, wenn man zum Beispiel einer geliebten Tätigkeit nachgeht, als einer Arbeit, der man nachgehen muss, um die Existenz zu sichern. Auch, wenn man pflichtbewusst und diszipliniert dabei vorgeht, es ärgert einen heimlich immer, wenn man etwas Ungeliebtes tut. Freut man sich dagegen auf die kommende Arbeit, muss man sich viel weniger anstrengen, um Disziplin und Pflichtbewusstsein aufrecht zu erhalten. Man muss weniger investieren und erhält wesentlich mehr. Eine ziemlich einfache Rechnung.

Mach dir also keine Vorwürfe, wenn du mal nicht 100% geben kannst und erhole dich dafür!

Alles Liebe

Sayeda

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