Wie man ein Nein akzeptiert

Oder: Warum es so schwer ist

Manchmal braucht es ein Nein um weiter gehen zu können

Wann ein Nein wirklich schwer zu akzeptieren ist

Es gibt genug Situationen, in denen ein klares Nein für so gut wie jeden schwer zu verkraften ist und man gar nicht anders kann, als es persönlich zu nehmen. Ist man z.B. verliebt und erfährt, dass dies nicht auf Gegenseitigkeit beruht, ist das verständlicherweise nicht einfach. In diesem Fall bedeutet „Nein“ nämlich: „Du bist nicht attraktiv genug oder interessant genug als potentieller Partner. Das bedeutet zwar nicht zwingend, dass wir tatsächlich unattraktiv oder langweilig sind (es sei denn, es wird so begründet, aber auch dann gilt dies kaum als allgemeine Aussage), sondern nur auf unserem Wunschkandidaten so wirken. Diese Zurückweisung schmerzt und das ist auch vollkommen verständlich. Dies nicht persönlich zu nehmen wäre gar unnatürlich.

Ein anderes passendes Szenario wäre die Tatsache, wenn junge Menschen noch von ihren Eltern abhängig sind und ein etwas kostspieligerer Wunsch (z.B. eine Reise) nicht erfüllt wird. Auch, wenn die Nichterfüllung plausibel begründet wird, schmerzt sie dennoch, eben weil der Wunsch nicht wahr wird und so zudem auch die Abhängigkeit vor Augen geführt wird zusammen mit dem Wissen, noch nicht aus eigener Kraft etwas erreichen zu können.

Handelt es sich also um Situationen, in denen Schwachpunkte oder Unzulänglichkeiten unserer Persönlichkeit deutlich aufgezeigt werden, ist es nur absolut verständlich, dass man ein „Nein“ persönlich nimmt. Es betrifft ja direkt unsere Persönlichkeit. Da hilft es nur, sich Zeit zu geben und mit der schmerzlichen Situation Stück für Stück fertig zu werden und herauszufinden, wie man bestmöglich damit umgeht.

Wann ein Nein „einfacher“ zu akzeptieren ist

Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch genug Situationen, in denen es wirklich nicht sinnvoll ist, mit einer Zurückweisung überhaupt oder längere Zeit zu hadern. Wenn man gerade auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz ist, schreibt man häufig mehr als eine. Absagen oder oft gar keine Antworten seitens des potentiellen Arbeitgebers sind heutzutage fast schon die Regel und gehören zum Findungsprozess dazu. Da macht es überhaupt keinen Sinn, sich bei jeder einzelnen Absage oder Nicht-Reaktion groß zu fragen, warum man für die Stelle nicht in Betracht kommt. Höchstwahrscheinlich ging es 99% der Kandidaten ebenso und sie alle haben wie wir das gleiche Schreiben formuliert nach einer Schablone erhalten. Ein bisschen Glück gehört oft auch dazu, um den passenden Job zu bekommen und da man zumeist auch ohnehin nicht den genauen Grund erfährt, bringen tiefe Grübeleien einen nicht weiter. Da heißt es einfach abhaken und weiter.

Zum andern kann es sehr frustrierend werden, wenn man für einen feierlichen Anlass z.B. nach einem passenden Restaurant sucht und ständig abgewiesen wird, weil entweder keine Reservierung mangels Platz möglich ist oder grundsätzlich keine entgegengenommen werden. Da hilft es nichts, sich aufzuregen oder gar mit dem Betrieb zu streiten, sondern am besten einfach nüchtern weiterziehen. So etwas persönlich zu nehmen ist nicht im Mindesten sinnvoll. Die meisten von uns wissen das in der Regel auch.

Weshalb wir selbst nur ungern „Nein“ sagen

Allerdings erfahren wir selbst nicht nur ungern Ablehnung, sondern sind auch selbst ungern in der Situation zu einer Person „Nein“ sagen zu müssen. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Wir möchten niemanden verletzen. Hinzu kommt, dass wir unsere eigenen Befürchtungen und Assoziationen mit diesem negativen Begriff zumeist unbewusst auf unser Gegenüber projizieren und deshalb glauben, der- oder diejenige käme mit der Zurückweisung genau so wenig klar wie wir.

So verständlich und zunächst positiv diese Haltung auch sein mag, bringt sie langfristig jedoch weder uns noch unseren Mitmenschen etwas. Anstatt mit einer klaren Antwort genau zu wissen, woran sie sind, halten wir sie hin oder flüchten uns in Ausreden, wodurch wir ihnen und auch uns die Möglichkeit nehmen, abzuschließen und nach vorne zu schauen. Noch schwerwiegender ist es, halbherzig „Ja“ zu sagen und damit möglicherweise schlecht mit sich selbst umzugehen. Wir unterschätzen nämlich oft, wie sehr wir uns selbst verletzen, indem wir auf unsere eigenen Grenzen nicht achten und zulassen, dass andere sie übertreten.

Auch wenn es also zunächst unangenehm ist, ist es besser gleich für Klarheit zu sorgen. Das mag zunächst schmerzhaft sein, geht aber vorbei und bringt uns nur mehr Einsicht für unseren weiteren Weg im Leben. Unsere Mitmenschen werden ebenfalls keinen unnötigen Groll entwickeln und viel mehr unsere Ehrlichkeit schätzen.

Wie man souverän mit „Nein“ umgeht

Wenn wir uns also in einer Situation befinden, in der wir entweder ein „Nein“ zu hören bekommen oder selbst aussprechen müssen, sollten wir uns als erstes selbst fragen: „Betrifft die Ablehnung in irgendeiner Weise unsere Persönlichkeit oder handelt es sich um eine allgemeingültige Begebenheit, an der wir schlicht nichts ändern können und sie einfach akzeptieren müssen? Ist die erste Frage mit „Ja“ zu beantworten, dann stellt sich als nächstes die Frage, ob es sinnvoll ist, an unserer Persönlichkeit zu arbeiten, um ein besseres Ergebnis zu erzielen oder ob es sich schlicht um ein Aspekt unserer Persönlichkeit handelt, das nicht geändert werden kann. Geduld und Gelassenheit beispielsweise lassen sich bis zu einem gewissen Grad erlernen, Emotionalität dagegen lässt sich schwer abstellen oder gar verändern.

Zudem sollte man nicht vergessen, wie angenehm oder gar befreiend es sein kann, nicht zu allem Ja und Amen sagen zu müssen, sondern auch mal Abstand nehmen zu können und bei sich zu bleiben. Wenn wir uns zudem wirklich solche Sorgen über die Reaktion unserer Mitmenschen machen, wie diese eine negative Antwort aufnehmen, sollte man sich fragen, ob die Beziehung zu ihnen wirklich so erfüllend ist, wie man glaubt.

So schmerzhaft es ist „Nein“ gesagt zu bekommen, oder selbst sagen zu müssen, es geht vorbei und macht uns nur eine Erfahrung reicher.

Alles Liebe

Sayeda

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