Wie man der Elternrolle gerecht wird

Oder: wie man Kinder einfach Kinder sein lässt

Eltern zu werden ist eine Herausforderung, aber auch eine Chance

Liebe ist das wichtigste

Natürlich ist die Erziehung sehr wichtig. Sie muss kindgerecht sein und gleichzeitig auf angemessene Weise den Nachwuchs aufs Leben als Erwachsenen vorbereiten. Die beste Erziehung bringt aber nichts, wenn nicht das absolut essentielle vorhanden ist: Nämlich die Liebe. Vor allem in den ersten Entwicklungsjahren ist das am allerwichtigsten. Es ist eine erwiesene Tatsache, dass Säuglinge sterben, wenn man ihnen keine Zuwendung und Aufmerksamkeit zukommen lässt. Die bedingungslose Liebe ist die Saat, die den Boden für alles weitere fruchtbar macht. Du wirst als elterliche Autorität viel eher anerkannt, wenn deine Kinder sich von dir geliebt und akzeptiert fühlen. Dann hören sie viel schneller zu, weil sie wissen, dass du aus Wohlwollen heraus handelst.

Während der Zeit, in der sie dann allmählich das Bewusstsein für sich selbst entwickeln und die ersten kleinen Schritte in die  Selbstständigkeit wagen, ist es sehr wichtig, dies nicht zu unterbinden. Als Eltern kommt es darauf an, den Rahmen zu schaffen, in denen die Kinder sich möglichst frei entfalten können und gleichzeitig auch die entsprechenden Grenzen zu setzen. Das verursacht viel weniger Kopfschmerzen, wenn die Liebe als Grundlage vorhanden ist und dabei ist diese vorübergehende Zeit ohnehin schon sehr anstrengend.

Es ist also nicht die Aufgabe der Eltern, die Kinder wunschlos glücklich zu machen und ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Erschreckend viele Eltern entwickeln solche Neigungen aus Angst, sich bei ihren Kinder unbeliebt zu machen und genau das ist die Krux: Eltern sind nicht die Spielgefährten von Kindern, sondern erwachsene Verantwortliche mit der Pflicht, sie auf das Leben vorzubereiten und dazu gehören auch die unangenehmen Seiten, mit denen sie unweigerlich früher oder später in Kontakt kommen. Nur mit dem richtigen Gerüst können Kinder einen guten Weg finden, diese Hürden erfolgreich zu überwinden. Sie damit auszustatten, ist die Aufgabe der Eltern.

Die Persönlichkeit der Kinder akzeptieren

Einen weiteren großen Fehler, den viele Eltern machen ist die Vorstellung, dass Kinder keine Individuen, sondern einfach nur kleine Doppelgänger ihrer selbst sind. Das ist nicht nur unzutreffend, sondern auch von großem Nachteil, weil dadurch viel Potenzial unterdrückt wird.

Es ist von größter Wichtigkeit, dass du als Elternteil als das annimmst, was es ist. Ein Individuum mit eigener Persönlichkeit. Natürlich ist sie noch nicht ausgereift, aber nichtsdestotrotz vorhanden und muss auch als solche respektiert werden. Wenn man wirklich aus tiefstem Herzen will, dass die eigenen Kinder so glücklich wie möglich aufwachsen, dann ist es unumgänglich, sie so zu akzeptieren wie sie sind. Denn genau das macht sie glücklich: Zu wissen, dass sie so angenommen werden, wie sie sind. Passiert das nicht, stauen sich Trauer, Schmerz, Wut oder womöglich sogar Hass in ihnen an, was sowohl für sie als auch für die Eltern fatale Auswirkungen hat. Man denke an Suchtgefahren, Kriminalität usw.

Das bedeutet natürlich nicht, dass du ihnen alles durchgehen lassen oder sogar von ihnen auf der Nase herumtanzen lassen musst. Stelle ihnen den nötigen Raum zur Verfügung, damit sie sich entfalten können und teil deine Interessen mit ihnen, ohne sie zu dominieren. Man weiß es immer zu schätzen, wenn sich jemand Zeit für einen nimmt, Kinder sind da keine Ausnahme. Du wirst ihre Dankbarkeit zu spüren bekommen.

In der Elternrolle ist man ohne es zu wollen in einer Machtposition, die viel Verantwortungsbewusstsein abverlangt. Schließlich investiert man zwischen 20 und 25 Jahre, um ein oder mehrere kleine Individuen zu selbstständigen und fähigen Persönlichkeiten zu erziehen. Der Weg dorthin ist mit vielen Stolpersteinen gepflastert und gerade in unserer heutigen Zeit gibt es viele Fallgruben, wodurch unser Nachwuchs nur allzu schnell auf die schiefe Bahn geraten kann. Es ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, die man nicht antreten sollte, wenn man sich nicht dazu bereit fühlt.

Bevor du also beschließt, diese Aufgabe anzunehmen, stelle dir folgende Fragen:

1.    Hast du dein eigenes Leben ausreichend gemeistert, das heißt, stehst du wirklich zu 100 % auf eigenen Füßen?
2.    Fühlst du dich wirklich bereit dazu fähig, zwei Jahrzehnte in die Erziehung zu deiner Kinder zu investieren und ihnen die richtigen Werte zu vermitteln?
3.    Bist du wirklich davon überzeugt, der Elternrolle gerecht zu werden, dass du deinem Nachwuchs auch die nötigen Grenzen setzen kannst und dabei immer als Wohlwollender agierst?

Sollten du und deine mögliche Partnerin oder Partner diese Fragen mit ja beantworten können, stehen die Chancen schon mal nicht schlecht, dass dieses Vorhaben gelingen kann. Eine absolut genaue Antwort darauf kann man nur dann erhalten, wenn die Kinder erwachsen sind und man sich traut zu fragen.
Die allerwichtigste Aufgabe als Eltern ist und bleibt jedoch: Unbedingte Liebe. Viele verwechseln dies bedauerlicherweise und überhäufen ihre Kinder mit materiellen Geschenken. Entweder aus schlechtem Gewissen heraus, weil sie keine Zeit mit ihnen verbringen oder weil sie denken, dass sie so glücklich sind. Das hat nicht nur nichts mit aufrichtiger Liebe zu tun, sondern erzeugt bei ihnen auch zwangsläufig falsche Wertvorstellungen, die später nur schwer zu korrigieren sind.

Seine Kinder zu lieben bedeutet, sie vorbehaltlos und vollständig zu akzeptieren, ihnen konsequent Grenzen aufzuzeigen, auch wenn das unangenehm sein kann und vor allem Ehrlichkeit. Ehrlichkeit bedeutet, sie sowohl über die angenehmen als auch über die harten Seiten des Lebens aufzuklären. Nur dann sind sie fähig, es erfolgreich zu meistern und sich gut zu entwickeln.

Aus oben genannten Gründen ist es so wichtig, sich nur dann für diesen Weg zu entscheiden, wenn man sich auch wirklich bereit dafür fühlt, so wie mit allem im Leben.

Viel Glück und alles Liebe

Sayeda

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