Wie man abschaltet

Ruhig mal Luft holen muss man, wenn einem nicht die Puste ausgehen soll.

Den richtigen Moment zum Abschalten finden

In unserer schnellen und zunehmend globalisierten Welt sind unsere Tage ziemlich durchgetaktet: Aufstehen, Frühstück, Lunchboxen für die Kinder, Kinder zur Schule fahren, anschließend ab ins Büro, im Büro warten alle möglichen unerledigten Arbeiten, gefolgt von einer Präsentation oder einem Teammeeting, anschließend müssen noch Entscheidungen getroffen werden, dann nach Feierabend die Kinder abholen oder sich um seine eigene Fitness kümmern, gefolgt von weiteren Anforderungen, bis man erschöpft ins Bett fällt. Wenn dann am nächsten Morgen wieder der Wecker klingelt, kämpft man sich gefühlt kaum erholt aus dem Bett und der Tanz geht wieder von vorne los. Ist dann endlich Wochenende, kann man die freie Zeit kaum genießen, sondern denkt ständig an alles Mögliche, was auf der Arbeit noch liegen geblieben ist und legt sich schon einen Plan dafür zurecht, wie man ihn schnellstmöglich abarbeitet.

In manchen beruflichen Positionen ist es so extrem, dass man dann nicht mal im Urlaub richtig abschalten kann und sogar in dieser Zeit weiter arbeitet, weil man einfach nicht zur Ruhe kommt. Es gibt durchaus Menschen, denen das nichts ausmacht, während ihres Urlaubs von Kunden oder Vorgesetzten angerufen zu werden, aber das sind eher Ausnahmen von der Regel. Ich wage zu behaupten, dass es für die meisten Menschen eine ziemliche Belastung ist, nicht mal während ihres Urlaubs komplett entspannen zu können. Zudem bleibt langfristig auch die Gesundheit davon nicht unberührt.
Aus diesem Grund ist es gerade heutzutage sehr wichtig, sich die nötigen Auszeiten zu nehmen, um anschließend mit neuer Energie weiter machen zu können. Es ist wichtig ein kurzes Zeitfenster von ca. 10 bis 15 Minuten einzulegen, in denen man meditiert, Musik hört, oder andere Dinge, durch die man sich erholen kann. Es ist auch völlig in Ordnung, nichts zu tun und nur da zu liegen.

Wann hast du ein solches Zeitfenster? Denk bitte gut darüber nach, bevor du überhastet antwortest: „Ich habe einfach nie Zeit, um mich mal ruhig hinzusetzen.“ Jeder von uns hat am Tag ein kurzes Zeitfenster von mindestens 10 Minuten zur freien Verfügung! Sei es morgens, mittags, oder abends.
Durchforste also genau deinen Tagesplan nach einer solchen Zeitspanne und nutze sie für eine kurze Auszeit, um Luft zu holen und deine Energien zu regenerieren, die du für deine täglichen Anforderungen brauchst. Diese Zeit ist nur für dich. Nimm sie dir.

Die Zeit zum Abschalten auch wirklich zum Abschalten nutzen

Jetzt hast du ein Zeitfenster gefunden, aber kaum ausgesucht, wartet schon das nächste Problem auf dich: Du kannst dich nicht entspannen und denkst an oder über alles Mögliche, nur nicht daran, dich zu erholen. Möchte man sich die Auszeit nehmen, meldet sich sofort der innere Kritiker: Du kannst jetzt nicht faulenzen, dein Chef erwartet bis morgen die fertige Präsentation über die Marktentwicklung im Nahen Osten. Außerdem hast du den Kindern versprochen, heute Abend ihren Lieblingsjoghurt mitzubringen!

Wir sind so sehr darauf getrimmt, stets Höchstleistung zu erbringen, dass wir es fast schon gar nicht mehr kennen, richtig abzuschalten. Das geht schon so weit, dass wir uns selbst zum Äußersten treiben durch eben diesen inneren Kritiker.

Die einzig mögliche Lösung für ihn: Abwürgen. Klipp und klar sagen: „Sei still! Mein Chef wird mich wohl kaum gerade jetzt anrufen, weil er wissen will, ob die Präsentation schon fertig ist! Die Läden haben lange genug offen und es ist nicht schlimm, wenn ich den Joghurt doch erst morgen besorge (Sie essen sowieso zu viel Zucker)!“

Es gibt aber eine noch einfachere Variante: Einfach innerlich STOPP!! sagen, dann verstummt der nervige Kritiker ziemlich schnell.
Es wird einiges an Zeit und Übung brauchen, bis der innere Kritiker sich nicht mehr meldet und man sich voll und ganz auf die Erholung während der Auszeit konzentrieren kann. Bei all dem gewohnten Tempo, muss man sich erst wieder daran gewöhnen, in langsameres Fahrwasser zu kommen.

Ganz wichtig: Alle Störfaktoren abstellen

Ein weiterer Aspekt ist die Notwendigkeit, die Zeit wirklich ungestört nutzen zu können, sprich ohne Unterbrechungen. Das heißt, vorübergehend alle Geräte abzustellen, die sich plötzlich melden könnten: Handy, Smartphone, Pieper, Wecker, Computer. Es ist nicht mal nötig, sie auszuschalten, sie auf stumm zu stellen reicht völlig. Denn kaum klingelt das Smartphone, reagiert man mit Stress und spannt sich an. Da ist es sehr schwer, vielleicht beinahe unmöglich, sich auszuruhen. Stell deine Geräte also ab, die 15 Minuten passiert bestimmt nichts Weltbewegendes.

Der Sinn von Auszeiten

Sobald es dir gelungen ist, regelmäßige Auszeiten fest in deinen Alltag zu integrieren, wirst du nach relativ kurzer Zeit Veränderungen an dir bemerken: Du wirst feststellen, dass du gelassener auf die täglichen Anforderungen reagierst und dich nicht mehr so schnell hetzen lässt. Zudem wirst du möglicherweise schneller auf passende Lösungen bei Problemstellungen kommen, weil du dich bei der Suche nicht mehr so verkrampfst. Je verbissener man an eine Sache rangeht, desto mehr entfernt man sich so vom Ziel.

Außerdem wirst du eine einfache und zugleich schwierige Lektion zu lernen: Arbeit Arbeit sein zu lassen und sie mit entsprechender Konsequenz an den richtigen Platz verweisen. Denn das ist eins der eigentlichen Probleme unserer heutigen Hektik: Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Leistungsanforderung und Entspannung verschwimmen geradezu bei all dem Tempo. Wir fühlen uns ständig genötigt, schnellstmöglich die bestmögliche Leistung abzurufen und stets zu funktionieren und springen von einem Punkt zum nächsten. Dabei ist es gerade in dieser hektischen Zeit so wichtig, sich Auszeiten zu nehmen, Luft zu holen, damit uns sprichwörtlich nicht die Puste ausgeht und wir von viel schlimmeren Auswirkungen betroffen werden.

Denn gerade in Ruhephasen hat das Gehirn die Möglichkeit, alle empfangenen Informationen effektiv zu verarbeiten und so eine stichhaltige Lösung für ein bestehendes Problem zu finden. Da klappt kaum, wenn es zehn Dinge gleichzeitig machen muss.

Also gönn dir ruhig deine wohlverdienten Pausen!

Sayeda

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