Der Weg des Mystikers

Vom Sinn der Suche nach dem Urgrund

Vom Sinn der Suche nach dem Urgrund unseres Seins
Während der praktizierende Christ die Verbindung zu Gott in der kirchlichen Gemeinschaft, besonders während des Gottesdienstes beim Beten, Singen, dem Hören des Wortes Gottes und in den Sakramenten erhofft, findet der Mystiker den Zugang zum Heiligen, zum Urgrund des Seins in sich selbst.
 
Mystik bedeutet: unmittelbare Gotteserfahrung ohne Hilfe durch die Kirche.
 
  • Der Mystiker sucht bei meditativen Übungen nach der Antwort auf die Frage „Was bin ich?“ Er forscht nach dem Inhalt des Seins. Er schweigt.
  • Der Konfessionelle erfährt das Wort Gottes durch die Predigt und das Gebet.
  • Der Mystiker versucht, sich von bildhaften Vorstellungen zu lösen.
  • Der Konfessionelle legt Vorstellungsbilder fest.
  • Der Mystiker versucht, das Unbegreifbare stehenzulassen. Er schweigt.
  • Die Kirche fasst Begreifbares in Worte.
  • Für den Mystiker ist die Welt holozentrisch zu deuten. (Unten ist oben und oben ist unten.)
  • Der Konfessionelle hingegen erkennt hierarchische Strukturen an.
  • Der Mystiker lehnt eine egozentrische Sichtweise ab. Er hat vor Gott keine bedeutsame Form.
  • Der Konfessionelle legt Wert auf die Form, in der er vor Gott erscheint.
  • Für den Mystiker ist das Gegebene gut.
  • Der Konfessionelle strebt an, von Gott als ein guter Mensch erkannt zu werden.
  • Der Mystiker fragt nach der Wahrheit.
  • Der Konfessionelle legt fest, was für wahr zu halten ist.
  • Der Mystiker forscht in der Einsamkeit. Die mystischen Erfahrungen werden nicht in der Gruppe gewonnen. Dennoch ist die Mystik keineswegs eine Religion für einsame Asketen.
  • Für den Konfessionellen ist die Gruppenerfahrung in gemeinsamen Gottesdiensten von besonderer Bedeutung.
Der Unterschied zwischen der konfessionellen Religion und der Mystik wird auch mithilfe der Begriffe „Dualismus“ und „Monismus“ deutlich: Der Dualismus beschreibt Milliarden einzelner Menschen gegenüber einem einzigen Gott. Zwischen den einzelnen „Selbsten“ herrschen jedoch Konkurrenzstreben und Rivalität, ein System der Hierarchie.
 
Im Monismus, der den Mystiker auszeichnet, spielen hierarchische Strukturen keine Rolle, denn im Urgrund der Seele existiert nur ein einziges Selbst, das alle anderen Personen einschließt. Das Verhältnis zueinander ist nunmehr Identität und Solidarität.

Vom Sinn der Suche nach dem Urgrund

Du möchtest den Weg des Mystikers beschreiten? Hier erhältst Du einige Tipps, die Dir bei Deiner Suche nach Gott, dem Urgrund Deines Selbst weiterhelfen können:

Dein Ziel auf dem Weg des Mystikers sollte ein vollkommenes Erleuchtungs-Erlebnis sein, ein Verschmelzen von Gott und Mensch.
 
Damit das gelingen kann, ist es notwendig, alles Sinnliche auszuschalten. Das heißt: Um das Einssein mit dem Göttlichen zu erreichen, musst Du alles Störende in Dir und Deiner Umwelt verbannen.
 
Viele Mystiker suchen die innere Ruhe in den Mauern eines Klosters. Kontemplative Übungen wie Meditation und besondere Rituale sind hier besonders hilfreich, da die weltliche Ablenkung fehlt. Du kannst aber auch zu Hause zu bestimmten Zeiten einen ruhigen Ort finden, an dem Du Dich ganz in Dich versenken kannst.
 
Bei der Betrachtung Deines Inneren, der Kontemplation, reicht das äußere Schweigen jedoch nicht aus. Und jetzt wird es schwer. Hast Du schon mal während des Meditierens versucht, an gar nichts zu denken? Das scheint kaum möglich zu sein. Unaufhörlich kreisen die banalsten Gedanken vor allem um Deine Person.
 
Ein inneres Schweigen kannst Du erreichen, indem Du bewusst auf Deinen Atem achtest. Du kannst Dich auch auf andere monotone Geräusche fokussieren, beispielsweise auf das Ticken einer Uhr oder eines Metronoms. Oder Du wählst ein Mantra, um das Deine Gedanken kreist. Mit viel Übung wirst Du schließlich Deine egozentrischen Vorstellungen beim Meditieren verbannen können.
 
Wenn Du den Weg des Mystikers gehst, wirst Du
  • eine innere Ruhe finden, die Dich vor religiösem Aktivismus bewahrt. Deine Gott-Verbundenheit entlastet Dich von überlieferten Gottesbildern.
  • die Mystik erinnert Dich daran, dass jeder einzelne Mensch eine Würde besitzt, die ihm nicht genommen werden kann.
  • die Mystik schult Dich in Weitherzigkeit und religiöser Toleranz.
Der Weg des Mystikers ist geprägt durch die Zustände „Meditation“, „Achtsamkeit“, „Kontemplation“ und „Verklärung“ und führt Dich auf den Weg der Selbsterfahrung, die Dich vor egozentrischem Verhalten bewahrt.
 

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