Was Kinder sich wünschen

Woran wir uns als Eltern wieder erinnern müssen

Liebe oder Materie, was wollen Kinder mehr?

Der zum größten Teil falsche Umgang mit Kindern

Dieser Tage lässt sich häufig beobachten, dass Eltern ihren Kindern möglichst jeden Wunsch zu erfüllen versuchen und ihnen viel mehr Freiheiten gewähren als in den Generationen zuvor. In der Folge bekommen Kinder bereits im Grundschulalter ein Smartphone oder ein Tablet oder sogar beides. Oft wird der Umgang mit diesen Geräten auch gar nicht ausreichend betreut, so dass Kinder mit allen möglichen und im schlimmsten Fall nicht altersgemäßen Inhalten in Berührung kommen.

In der Folge können die Kinder sich meistens gar nicht durch den Alltag bewegen, ohne ständig auf ihr Smartphone zu starren, da sie das ständige Bedürfnis verspüren, auf dem Laufenden zu sein aus Angst etwas zu verpassen. Zudem können sie sich kaum noch anders beschäftigen, wenn nicht mindestens eins dieser Geräte in greifbarer Nähe liegt.

Hinzu kommt, dass Kindern bei geradezu banalen Themen Mitspracherecht eingeräumt wird und besonders jüngere Eltern bemüht sind, sich mit ihren Kindern „gut“ zu stellen, weil sie befürchten, sich bei ihnen unbeliebt zu machen. Z. B. werden Kinder im Restaurant gefragt, wo sie sitzen möchten oder die Geburtstagsfeier wird auf unbestimmte Zeit verlängert, um keine Wutausbrüche erleben zu müssen.

Mit dieser Handhabe tun wir unseren Kindern jedoch überhaupt keinen Gefallen. Sie entwickeln dadurch nur die Einstellung, dass sich alles um sie dreht und nur ihre Vorstellungen zählen. So akzeptieren sie kein Nein und können mit Ablehnung nur schwer bis überhaupt nicht umgehen. Fallen dann ihre Vorstellungen komplett unter den Tisch, zieht ihnen das eventuell sogar den Boden unter den Füßen weg, weil sie nicht gelernt haben, dass im Leben nicht immer alles nach Wunsch und/oder Plan verläuft. Einfach gesagt, können sie nicht mit Grenzen umgehen.

Ursachen für den falschen Umgang

Dass dieses Phänomen gerade in unserer heutigen Zeit verstärkt auftritt, hat natürlich seine Gründe. Einer davon ist die geringe zeitliche Verfügbarkeit der Eltern. Zumeist kommen die Kinder schon nach einem Jahr in die Kinderkrippe, weil es finanziell erforderlich ist, dass auch Mütter einer Tätigkeit nachgehen. Dadurch bestehen einfach weniger Möglichkeiten, Zeit mit den Kindern zu verbringen und wenn sie dann eingeschult werden, ist es noch schwieriger Mußestunden einzuplanen.

Dadurch entsteht bei den Eltern ein schlechtes Gewissen und sie versuchen die mangelnde Zeit durch gesteigerte Zuwendung in Form von materiellen Geschenken zu kompensieren. Hinzu kommt, dass viele Eltern, besonders junge, sehr unsicher im Umgang mit den vorherrschenden Trends sind und oft befürchten, dass Kinder, die nicht mithalten, Opfer von Mobbing werden könnten und diesen deshalb nachgeben. Bei der bewusst auf Kinder abzielenden Werbung ist das jedoch auch nicht verwunderlich.

Folgen des falschen Umgangs

Was sind also die Folgen davon, wenn man Kindern alle oder fast alle materiellen Wünsche erfüllt und größtmögliche Freiheiten gewährt? Sie entwickeln eine narzisstische Haltung und betrachten sich als Mittelpunkt des Weltgeschehens. Sie erwarten dadurch, dass sich der Wind in ihre Richtung dreht und jeder nach ihrer Pfeife tanzt und können überhaupt nicht souverän mit Grenzen und Zurückweisungen umgehen. Ist das ein geeignetes Gerüst, um gerade in unserer heutigen, schnelllebigen und unsicheren Zeit zu Recht zu kommen oder gar erfolgreich zu sein? Die Antwort sollte keinem vernünftigen Menschen schwerfallen. Kinder, die so aufwachsen haben einfach keine in sich ruhende Stabilität entwickeln können.

In der Folge davon sind sie als Erwachsene nicht zur Teamarbeit fähig und tun sich dann auch schwer, überhaupt eine Arbeit zu finden, die ihnen langfristig Sicherheit und Perspektive gewährt. Konsequenterweise können sie später auch ihre eigenen Kinder keine andere Haltung vermitteln.

Sich als Eltern wieder an die wichtigsten Bedürfnisse von Kindern erinnern

Gerade in solch unsicheren Zeiten braucht unser Nachwuchs eins mehr denn je: Stabilität. Wie vermittelt man diese am besten? Indem man die wichtigsten Bedürfnisse stillt. Die sind in den ersten zwei Jahren nicht schwer festzustellen: Säuglinge schreien, wenn sie Hunger haben oder Zuwendung möchten. So vermittelt man bereits erste Stabilität, einfach indem man sich um sie kümmert. In den späteren Jahren ist das nicht anders. Es kommt aber die Notwendigkeit hinzu, ihnen sowohl Grenzen aufzuzeigen, als auch die Möglichkeit zur Entfaltung zu geben.

Das klingt möglicherweise jetzt nach Gratwanderung, ist aber keine. Kinder können sich am besten dann entfalten, wenn sie von Eltern Grenzen genau aufgezeigt bekommen und Konsequenzen spüren, sollten sie diese überschreiten. Und auch wenn gerade heutzutage viele Eltern dies nur schwer glauben zu können: Kinder wollen Grenzen aufgezeigt bekommen, weil sie zu ihren Eltern aufschauen. Natürlich ist es für sie nicht angenehm, ausgeschimpft oder bestraft zu werden, aber sie lernen so den Halt spüren und erkennen ihre Eltern als Felsen in der Brandung.

Im Grunde wollen sich Kinder geliebt wissen und das vermittelt man ihnen am besten mit der angebrachten Zuwendung und Aufmerksamkeit. Natürlich kommt irgendwann auch der Tag, an dem sie anfangen materielle Wünsche zu äußern, aber mit der richtigen Erziehung wird sich kaum ein Kind tatsächlich ein Tablet wünschen, behaupte ich jetzt einfach mal.

Es ist auch in Ordnung, materielle Wünsche zu erfüllen, solange man ihnen vermittelt, dass das Leben kein Wunschkonzert ist und es nicht immer nur nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen gehen kann.

Was Kinder sich im Grunde wünschen, lässt sich also in folgende Punkte zusammenfassen:

1.    Sie wollen sich in erster Linie geliebt wissen
2.    Sie wünschen sich die Eltern als Fels in der Brandung, auf den sie zählen können
3.    Sie brauchen festgelegte Grenzen, damit sie sich eben bestmöglich entfalten können

Aus diesem Grund ist es vollkommen unnötig, sich darüber Sorgen zu machen, ob man sich als Eltern bei seinen Kindern unbeliebt macht. Kinder können nicht wissen, was gut für sie ist. Das ist die Aufgabe der Eltern.

Das sollten wir als Erwachsene nicht vergessen.

Sayeda

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