Was im Leben wirklich zählt

Wenn bisherige Werte schwinden

Finde heraus, was Dir wirklichen Halt im Leben gibt.
Wir alle sind auf der Suche nach Bedeutung. Wir wollen durch unser Verhalten angenommen und geliebt werden. Wir wollen einzigartig und besonders sein.
 
Oder frage dich einmal: Was liegt tatsächlich dem Wunsch nach einem Sportwagen, nach einem eigenen Haus, nach dem Urlaub abseits von der Norm zu Grund. Auf diese Frage gibt es verschiedene Antworten. und auf den ersten Blick scheint es fast so, als hingen diese auch mit Deinen finanziellen Möglichkeiten zusammen.
 
Erstens geht es einmal darum, dazu zu gehören. Durch ein bestimmtes Setting im Außen, versuchen wir aufzuzeigen, dass wir einer bestimmten Klasse angehören, eine bestimmte Gesinnung verfolgen und für bestimmte Werte stehen.
 
Wir wollen anderen durch unser Verhalten, unsere Kleidung, unseren Lebensstil und nicht zu Letzt auch durch unsere intellektuellen Beiträge aufzeigen, wer wir wirklich sind. Wir wollen als Wichtig wahrgenommen werden. Wollen gebraucht werden.
 
Und doch ist kein Ziel unerreichbarer, als dieses Vorhaben.
 
Frage Dich einmal. Was würde passieren, wenn Dir all diese Insignien Deiner Bedeutung von einer Sekunde auf die Andere plötzlich genommen würden? Was bliebe übrig von Dir? Von Deiner Identität als Person.

Wärst du ohne diese Insignien plötzlich eine andere Person? Was würde mit all Deinen Ängsten und Gefühlen passieren, die trotz Deiner Selbstbefriedigung im Außen immer existent waren.
 
Wären diese Ängste immer noch da? Schwierig zu sagen, oder?
Wie ist es denn jetzt? Hast Du Ängste oder negative Gefühle? Was ist mit diesen Gefühlen passiert, wenn du nach Halt im Außen gesucht hast?
 
Vielleicht sind Deine Ängste und Gefühle für einen kurzen Moment in den Hintergrund gerückt. Immer dann, wenn Du Dir ein neues, schönes Spielzeug, neue Glasperlen gekauft hast. Immer dann, wenn Dir im Außen wiedergespiegelt wurde, dass Du eine wichtige Persönlichkeit bist, dass Du anerkannt bist, dass du nicht nur dazugehörst, sondern vielleicht sogar eine führende Rolle in Deiner In-Group einnimmst.
 
Wenn dem so ist, bitte ich Dich einmal zu betrachten, was mit Dir passiert, wenn sich die erste Euphorie der Inbesitznahme gelegt hat? Was war dann mit all Deinen Ängsten, was war mit den Gefühlen, die Dir unangenehm sind? Was war mit Deinen Eigenheiten, Unzulänglichkeiten, Fehlern, die wir alle haben und von denen wir hoffen, dass Sie unsere Mitmenschen nicht wahrnehmen?
 
Hand aufs Herz. Waren Sie nicht nach kurzer Zeit wieder da – und hast Du dann nicht nach neuen Hebeln im Außen gesucht, die Dir dabei helfen sollten, diese Gefühle zu betäuben?
Meine Erfahrung ist die: Du wirst im Außen keinen Halt finden. Weder durch vorübergehende materielle Befriedigungen, noch durch Prestige oder Macht.
 
Halt im Außen zu suchen, ist wie Wasser in einem Sieb tragen zu wollen.

Tief in Dir weißt Du das. Das ist auch der Grund, wieso wir uns in vielen Fällen nach der Erfüllung eines langersehnten Wunsches noch leerer und bedeutungsloser fühlen.

Schau Dich einmal um, was Menschen alles machen, um Bedeutung zu erlangen.
Der Eine sammelt Ämter, der nächste Titel, wieder ein Anderer ist stolz auf sein Äußeres, sein Haus, die Weltreise, seine ach so weit fortgeschrittene Spiritualität.

Alles sind unsere zwecklosen Versuche, anerkannt und geliebt zu werden. Sicherheit zu erlangen. Alleine dadurch, in dem wir unsere Stellung im Außen zu fundamentieren versuchen.

Kann das gelingen?

Wohl kaum. Alles im Außen kann zerstört werden. Plötzlich ist der Beruf weg, kann der Immobilienkredit nicht mehr gezahlt werden, erfährt ein Mitbewerber mehr Achtung und Aufmerksamkeit, als man selbst.

Was passiert dann mit Dir?

Mit hoher Wahrscheinlichkeit fällst du.
Doch alleine dieses Fallen ist eine Interpretation. Im Endeffekt warst du zu keinem Zeitpunkt irgendwo oben, hast zu keinem Zeitpunkt irgendetwas erreicht.

Es war lediglich Deine Interpretation. Eine Interpretation, die Du auf Grund Deiner Sozialisierung so gedeutet hast.

Ein einfaches Beispiel: Vergleich einmal einen Mönch mit einem Politiker.

Hier siehst du sehr genau, was ich mit Interpretation meine. Die Definition von „etwas erreichen“ klafft hier weit auseinander. Der Eine sucht nach Erfüllung in einem „Mehr an Macht“, der andere in der bedingungslosen Hingabe an Gott.

Man sieht hier sehr schön, dass es nur um eine Interpretation geht. Du selbst räumst einem Ziel, einem Zustand eine gewisse Bedeutung ein. Du interpretierst, was Erfolg ist, was Misserfolg ist.

Das meine ich damit, wenn ich sage, Du kannst gar nicht fallen. Wie auch. Vielleicht erreichst du genau durch den Fall den Zustand, den ein anderer Mensch als erstrebenswert beachtet.

Was passiert nun, wenn dir klar wird, welches Kasperltheater wir Menschen jeden Tag veranstalten.
Was passiert nun, wenn Dir klar wird, dass der Kampf um den eindrucksvollsten Geschäftswagen, den repräsentativsten Schreibtisch, das eigene Büro, oder die Wahl zum Elternbeiratsvorsitzenden lediglich die Weiterführung des Kampfs im Sandkasten um die größte Sandkuchen-Form darstellt.

Wir sind wie die Kinder. Wir wollen dem Ich-Bedeutung geben und scheitern damit kläglich.
Früher oder später.

Wir spielen ein Spiel, das genau genommen an Lächerlichkeit kaum zu überbieten ist.

Wenn du das erkennst, kannst du nicht mehr verhindern, dass du dieses Schauspiel plötzlich in allen Bereichen unseres Lebens erkennst.

Dann fängt Dein Leben zu bröckeln an. Plötzlich gibt es immer weniger woran Du Dich festhalten kannst. Immer weniger, was dir Ziele, Werte und Bedeutung vermittelt.

Nicht selten landet der erkennende Mensch dann in einer Depression, da er die Wirklichkeit ungeschminkt erkennt. Es ist einfach zu ernüchternd. Doch diese Erkenntnis birgt auch ein großes Freiheitspotential in sich. Endlich erkennst Du die Nuancen der Wirklichkeit und mit jeder Nuance die Du erkennst, steigst du einen Schritt aus dem Hamsterrad.

Du demontierst das Konstrukt, dass Du bislang für Dein Selbst gehalten hast.
Es entsteht Leere. Haltlose Leere. Das kann so weit führen, dass Du fällst. Immer tiefer – um irgendwann festzustellen, dass die Angst zu fallen, plötzlich einem tiefen Frieden weicht.

Auf dem Weg dorthin, wirst Du vielleicht mit Eigenschaften Deiner bisherigen Persönlichkeit konfrontiert, die auch unschöne Facetten bereithält.

Geh dann liebevoll mit diesen, Deinen Eigenschaften um. Sie wollen integriert, angesehen werden, um letzten Endes akzeptiert und transzendiert zu werden.

Wir sind keine Übermenschen. Wir dürfen Fehler machen. Das ist meines Erachtens eine unserer Aufgaben hier.

Im besten Fall lernen wir aus diesen Fehlern, denn sie sind wie Türen, die wir auf dem Weg zu uns selbst öffnen dürfen. Jede Herausforderung, jede Tür führt Dich näher zu Dir.

Je mehr wir uns verzeihen und unsere Fehler annehmen, je mehr wir den Mut haben uns selbst so zu akzeptieren wie wir sind, je mehr wir den Mut haben, auch die Schatten unseres Seins zu betrachten, desto größer wird unsere Fähigkeit auch andere Menschen unvoreingenommen zu akzeptieren und zu lieben.

Es gibt einen Zeitpunkt, da geht Dir auf, dass Du in jedem Menschen nur einen Spiegel vorgehalten bekommst. Die Eigenarten des Anderen triggern lediglich unsere eigenen Unzulänglichkeiten. Und was Du siehst, sind Hinweise, woran Du selbst an Dir noch arbeiten darfst.

Ganz egal, mit wem Du auch konfrontiert wirst. Denk daran, er ist genauso verletzlich und auf der Suche nach Liebe und Anerkennung, wie Du und ich.

Alleine das zu wissen, und dementsprechend zu handeln, macht uns im Leben liebenswert, unabhängig und frei. Das gibt dem Leben einen Sinn.

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