Wann Angst ein guter Ratgeber ist

Oder: Wenn Angst keine Angst ist

Angst oder Freiheit? Das entscheidet über unsere Lebensqualität

Wann Angst negativ ist

Die erste Assoziation bezüglich Angst ist normalerweise negativ. Das liegt daran, dass sie eine lähmende Wirkung hat. Verspüren wir Angst, fühlen wir uns entweder wie betäubt, bekommen keine Luft, oder fangen an zu zittern. Wir sind buchstäblich handlungsunfähig und treffen in einem solchen Zustand auch nicht unbedingt die besten Entscheidungen. Das betroffene Thema bereitet uns eine solche Angst, dass wir uns damit nicht auseinandersetzen wollen oder können.

Das dies kein nennenswerter Zustand ist, um Probleme anzugehen und Entscheidungen zu treffen, liegt auf der Hand. Es gilt also, entweder der betroffenen Thematik aus dem Weg zu gehen (was langfristig nicht empfehlenswert ist) oder einen Weg zu finden, die Angst zu überwinden. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, kommen wir nicht umhin, uns ihnen zu stellen.

Hat die Angst also eine lähmende Wirkung und hindert uns daran aktiv unser Leben zu gestalten oder unsere Probleme zu lösen, gilt es, sie hinter uns zu lassen. Lösen wir unsere Ängste nicht zuvor auf und versuchen unsere Angelegenheiten sozusagen mit Gewalt zu lösen, indem wir sie verdrängen oder unterdrücken, passieren uns Fehler in der Ausführung, die schlimme Auswirkungen haben können.

Müssen wir z.B. einen Vortrag in unserer Firma halten und haben Angst davor, vor einem größeren Publikum zu sprechen, wollen uns aber nicht damit auseinandersetzen und bereiten uns deshalb nur mangelhaft vor, ist das Scheitern fast schon vorprogrammiert: Ein oder mehrere Fauxpas schleichen sich in der Präsentation ein, das Publikum und der Vorgesetzte reagieren entsprechend und die Angst, es beim nächsten Mal noch mehr zu versieben ist diesmal so groß, dass man sich gar nicht mehr auf sowas einlassen will.

Wie löst man diese Angst auf? Je nach Form und Ausprägung bedarf es professioneller Hilfe, Meditation oder manchen genügt es auch einfach, Sport zu treiben. In jedem Fall gilt es, sich gezielt mit der Ursache der Angst auseinanderzusetzen, um langfristig frei davon zu sein.

Wann Angst positiv ist

Die andere Seite der Angst ist die, die uns voranbringt. Kaum jemand denkt daran, aber es kann hin und wieder gut für uns sein, Angst zu haben. Wenn unser Leben droht, sich in eine Richtung zu entwickeln, mit der wir überhaupt nicht einverstanden sind, dann lässt uns das aktiv werden und alle erdenklichen Maßnahmen zu ergreifen, um diese Entwicklung zu verhindern.

Nehmen wir zur Veranschaulichung zwei Beispiele: Erfahren wir, dass wir von einem aktuell befristeten Arbeitsvertrag nicht übernommen werden, dann ist uns die Vorstellung arbeitslos zu werden so unangenehm, dass wir loslegen und so viele Bewerbungen wie möglich losschicken, um nicht oder zumindest nicht für lange Zeit arbeitslos zu sein.

Weiteres Beispiel: Erfahren wir eines Tages, dass unser Partner mit einem bestimmten Verhalten von uns nicht einverstanden ist oder nicht länger damit umgehen kann und stellt deshalb ein Ultimatum, dann tun wir alles in unserer Macht stehende, weil wir ihn nicht verlieren wollen.

Die Arten von Angst auseinanderhalten

Wie unterscheidet man also die positive Angst von der negativen? Danach, was sie in uns auslöst. Lähmt sie uns, ist sie eher hinderlich, lässt sie uns aktiv werden, dann ist sie ein wichtiger Antrieb. Diese Unterscheidung ist keine große Herausforderung für Menschen, die einen guten Bezug zu ihren Gefühlen haben und daher ist es meistens nicht schwer zu erkennen, ob man gelähmt ist oder Tatendrang in sich spürt.

Wann man welche Art von Angst verspürt hängt davon ab, welche Ziele und Wünsche man für sein Leben hat und daher entsprechend die Priorität legt. Jemand, der Angst vor Arbeitslosigkeit hat, wird sich an seinem Arbeitsplatz mehr Mühe geben als jemand der den Anspruch hat, eine Arbeit zu finden, der er mit zumindest etwas Herzblut nachgehen kann. Eine solche Person ist dann auch bereit, zumindest vorübergehend eine Zeit in der Arbeitslosigkeit zu verbringen.

Einen weiteren Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, ist die Ursache der Angst. Stecken wir zum Beispiel in einer Partnerschaft, die uns unglücklich macht und trauen uns dennoch nicht, sie zu beenden, ist es wichtig zu wissen, woher die Angst kommt. Rührt sie daher, dass uns der Partner zu wichtig ist und wir ihn deshalb nicht verlieren wollen oder haben wir viel eher Angst vor dem Allein sein? Trifft ersteres zu, gilt es nach Möglichkeiten zu suchen, die Beziehung zu kitten. Trifft letzteres zu, sollte man sich mit der Angst und mit der Ursache auseinanderzusetzen, um uns weiter zu entwickeln.

Angst nachhaltig überwinden

Die Methoden, seine Angst zu bewältigen, sind vielseitig und doch ist es keine leichte Aufgabe, frei von Angst zu werden. Wir wachsen schließlich von Kinderbeinen an damit auf. Wir sind brav, weil wir Angst vor elterlichen Sanktionen haben, sind fleißig in der Schule, weil wir Angst vor schlechten Noten haben und lassen uns auf ungeliebte Jobs ein, weil wir Angst vor einer schlechten Zukunft haben. In dieser Zeit verlieren wir zumindest teilweise den Bezug und das Vertrauen zu uns selbst und müssen dann wieder lernen, es Stück für Stück aufzubauen.

Hinzu kommt, dass es eben kein Patentrezept, sondern so viele verschiedene Möglichkeiten gibt, dass wir erst mal die richtige Methode für uns finden müssen. Das nimmt ebenfalls eine gewisse Zeit in Anspruch. Der Aufwand lohnt sich aber, wenn Angst zunehmend dem Gefühl des Vertrauens und der Freiheit weicht.

Sich auf das Gefühl der Freiheit einzulassen ist ebenfalls eine Herausforderung für sich, weil auch sie zunächst beängstigend auf uns wirkt. Da wir Menschen Gewohnheitstiere sind und dazu neigen, in Schubladen zu denken, kann uns die freie Auswahl überfordern, sprich Angst machen.
Lassen wir uns jedoch darauf ein, werden wir uns der Fülle unseres Lebens bewusst.

Der Aufwand lohnt sich also

Alles Liebe

Sayeda

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