Sich treu bleiben

Sei dir selbst treu, dann sind es auch andere

Untreue ist oft eine unschöne Gewohnheit

Nicht selten kommt es im Leben vor, dass man Dinge tut, die man nicht mag, sich an Orten aufhält, in denen man sich unwohl fühlt oder mit Menschen zusammen ist, die mit einem nicht unbedingt auf derselben Wellenlänge sind. Man ist sich in seinem Innersten auch darüber bewusst, dass man eigentlich unzufrieden oder gar unglücklich ist, aber man stellt es oft lange Zeit gar nicht in Frage. Es kommt einen oft lange Zeit auch gar nicht der Gedanke, etwas daran zu ändern, weil man über Gewohnheiten bekanntlich nicht nachdenkt.

Erst, wenn sich genug Frust, Trauer oder Wut in einem angestaut haben, beginnt man zu hinterfragen. Dann fragt man sich: „Warum lasse ich mich immer wieder auf diese Spielchen ein, wenn man sowieso nur auf mich herabsieht?“ Oder: „Wieso lasse ich mich immer wieder von dieser Person einschüchtern?“
Bei den meisten Menschen bleibt es jedoch zunächst bei dieser Stufe. Zwar beobachten sie in der Konsequenz ihre Umgebung und die Menschen genauer und gewinnen nicht unwichtige Erkenntnisse über sich und wie die Themen zusammenhängen, schaffen es jedoch nicht, eine Veränderung herbeizuführen. Wie denn auch, besäßen sie dieses Wissen, wären sie gar nicht erst in diese Situation hineingeraten.

Genau darin liegt nämlich die Ursache für dieses Problem. Menschen, die sich herumschubsen lassen und/oder immer wieder zu Dingen überreden lassen, mit denen sie im Grunde überhaupt nicht einverstanden sind, haben meist nie gelernt, ihre wahren Überzeugungen laut und deutlich auszusprechen. Sie sind stets dominiert worden und sie nie dazu ermutigt worden, für sich einzustehen. In der Folge setzen sich diese Gewohnheiten im weiteren Leben zumeist fort.

Sich seiner Untreue bewusst werden

Das Paradoxe ist: Obwohl die betroffenen Menschen in ihrem Innersten unzufrieden sind, ist ihnen tatsächlich gar nicht bewusst, dass sie sich selbst untreu sind. Oft bedarf es neuen Inputs, wodurch sie mit ihren Überzeugungen in Konflikt geraten, oder einer Begegnung einer aufmerksamen, wohlwollenden Persönlichkeit, die sie auf ihr Verhalten aufmerksam macht.

Denn erst, wenn wir in Situationen geraten, in der unsere üblichen Gewohnheiten nicht mehr funktionieren, beginnen wir damit uns selbst aufmerksamer zu beobachten.

Nehmen wir ein klassisches Beispiel: Man hat im Freundeskreis einen „Freund“, der sich sehr dominant und grob verhält. Dieses Verhalten ist so grob, dass man eigentlich nur den Schluss ziehen kann, dass es sich nicht um eine Freundschaft handelt, sondern man eigentlich nur herumgeschubst wird. Eines Tages tritt dann ein Mensch in dessen Leben, der den Betroffenen vor dem falschen Freund in Schutz nimmt und ihn darauf aufmerksam macht, dass eine wahre Freundschaft auf Augenhöhe und nicht auf einseitiger Dominanz besteht. Durch diese positive Beziehung wird man sich nach und nach seiner Stärken bewusst und lernt, für sich einzustehen.

Die Treue zu sich aufbauen

Man kann sich selbst gegenüber also nicht treu sein, wenn man kein positives Selbstwertgefühl hat. Dieses entsteht nur, wenn wir wohlwollende Menschen um uns haben und von ihnen entsprechende Werte vermittelt bekommen. Allerdings geht es dabei nicht darum, einfach die Werte anderer zu übernehmen, sondern die richtigen Werte für sich selbst zu erkennen nach denen man leben kann.

Man muss sich also die Frage stellen: Nach welchem „Ehrenkodex“ möchte ich leben? Welche Werte sind mir wichtig? Wie will ich künftig meine Beziehungen gestalten, wenn sie mich bisher nicht zufrieden gestellt haben? Darauf Antworten zu finden, erfordert Zeit und auch Geduld, da man selten gleich die richtige Antwort für sich findet. Man muss sich auf die Suche einlassen und sich auf neue, ungewohnte Weise selbst erfahren. Dabei stößt man wahrscheinlich auf unerwartete Eigenschaften, die man bei sich nicht erwartet hätte, umso mehr Selbstbewusstsein erlangt man im Gegenzug dadurch.

Die Treue zu sich bewahren

Hat man es tatsächlich geschafft, sein Selbstwertgefühl zu steigern, steht man als nächstes vor der Herausforderung, diese auch zu bewahren. Fast sicher wird man nämlich im äußeren Umfeld auf Widerstand stoßen, wenn man anders auftritt. Diese Veränderung wird an den Mitmenschen nicht vorüber gehen und in der Regel wird sie jedoch auch nicht einfach ohne weiteres akzeptiert. Zumindest eine Zeit lang, wird man versuchen, die alten Muster aufrecht zu erhalten. Dem standzuhalten erfordert Kraft und Geduld. Ist man jedoch wirklich hinreichend gefestigt, dann steht man das auch durch und verschafft sich so bisweilen sogar Respekt. Die Verlockung in alte Muster zurück zu fallen, ist zunächst allgegenwärtig, bei entsprechender Konsequenz schrumpft diese jedoch allmählich in sich zusammen.

Treue zu sich setzt eine gute Beziehung mit sich selbst voraus

Es ist also so gut wie ausgeschlossen, sich selbst gegenüber treu zu bleiben, wenn man keinen guten Draht zu sich selbst hat. Anders gesagt: Mag man jemanden nicht, ist man ihm gegenüber auch nicht unbedingt loyal oder treu. Man kann sich also nicht selbst treu bleiben, wenn man seine eigene Persönlichkeit nicht akzeptieren kann. Ist man mit seiner Persönlichkeit wiederum nicht zufrieden, steht man auch da vor der Aufgabe, an sich zu arbeiten, damit man eine für sich annehmbarere Persönlichkeit entwickeln kann.

Das gilt auch für unsere zwischenmenschliche Beziehungen: Bevor wir dazu in der Lage sind, erfüllende Beziehungen zu gestalten, muss die zu uns selbst erst mal im Lot sein. Die wichtigste Beziehung ist die zu uns selbst. Wenn wir uns selbst gegenüber keine wohlwollende Haltung annehmen können, dann scheitern zwangsläufig auch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen. Wie können wir andere gut behandeln, wenn wir uns selbst schlecht machen?
Es ist ohne Frage eine ziemliche Herausforderung, ein positives Selbstwertgefühl im Nachhinein aufzubauen, wenn man dies nicht in früher Kindheit vermittelt bekommen hat. Allerdings haben wir als Erwachsene dann den Vorteil, von niemandem abhängig zu sein und können uns vollkommen auf uns selbst konzentrieren.

Der Weg lohnt sich also.

Alles Liebe

Sayeda 

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