Sich auf seine Art erholen

Oder: Sich ohne Schuldgefühle richtig ausruhen

Pausen sind wichtig, um nachhaltig leistungsfähig bleiben zu können

Der Alltag verlangt geradezu Dauerturbo

In unserer schnelllebigen Gesellschaft ist Müßiggang verpönt. Nur, wer in allen Bereichen möglichst viel Gas gibt, bleibt auf der Siegerstraße. Wer nicht ständig auf der Überholspur mitfährt, bleibt auf der Strecke und bringt nichts zustande. Sei es in der Schule, im Beruf, im Sport, in der Gemeinde. Es gilt die Devise, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu erreichen, um sich für die Zukunft den Erfolg nicht nur zu sichern, sondern zu garantieren.
Deswegen werden schon unsere Kinder zum Funktionieren gedrillt: Neben dem Kindergarten erhalten sie schon von klein auf Musik- oder Tanzunterricht oder werden im Sport zusätzlich gefördert. Widerspruch oder Ablehnung werden nicht geduldet, sondern es werden Maßnahmen ergriffen, damit sie „Disziplin“ erlernen.

Dieses Agieren auf mehreren Baustellen setzt sich in Schule und Beruf weiter fort. Dieses ständige Funktionieren schlaucht und verlangt viel Energie ab. Den berechtigten Wunsch nach einer zumindest kurzen Pause winken wir als Faulheit ab und spornen uns dagegen geistig noch mehr an, um zu verhindern, dass unsere Leistungsfähigkeit nachlässt. Wir reduzieren uns selbst aufs totale Funktionieren. Ob es im Leben darum geht, ist zumindest fraglich.

Bei einer Pause meldet sich das schlechte Gewissen

Gestatten wir uns dann einen Moment der Ruhe und sei es auch nur, um kurz Luft zu schnappen, meldet sich dann sofort der innere Kritiker: Wie kannst du dich jetzt ausruhen, wo du doch noch gar nichts geleistet hast?! Was ist mit der Präsentation für die morgige Versammlung? Hast du die Hausaufgaben der Kinder schon kontrolliert? Und dann….

Die Liste ließe sich womöglich endlos fortsetzen. Diese meckernde, nicht still werdende Stimme in unserem Kopf meldet sich immer wieder und will einfach nicht aufhören zu nerven. So treibt sie uns immer weiter an, weiter zu funktionieren, wodurch wir uns immer mehr abverlangen und gar nicht mehr spüren, was wir uns damit eigentlich antun.

Dazu müssen wir folgendes über diese innere Stimme, die uns ein schlechtes Gewissen einredet, wissen: Sie gehört nicht zu uns. Es ist nicht unsere Stimme, die uns seelisch so malträtiert, dass wir den gesunden Bezug zu uns selbst verlieren. Dieser innere Folterer hat sich von außen durch unser Umfeld bei uns eingenistet. Sie gehört zu unseren Eltern, Lehrern oder Freunden. Zu Menschen, die uns dazu erzogen haben, stets leistungsbereit zu sein und auf höchster Stufe zu funktionieren. Sätze wie: „Wenn aus dir was werden soll, musst du ackern!“ oder „Müßiggang ist aller Laster Anfang!“ werden so lange von ihnen wiederholt, bis sie uns sprichwörtlich im Kopf nachklingen und weiter verfolgen. Selbst in einer wohlverdienten Pause gibt sie keine Ruhe und gibt uns das Gefühl faul und unfähig zu sein. Was uns zusätzlich stresst und verhindert, dass wir uns ausreichend erholen können.
Lernen, wieder auf sich selbst zu hören

Damit wir uns also auch wirklich von den Strapazen des Alltags erholen können, gilt es, diesen inneren Kritiker auszuschalten. Darauf folgt die zugegeben etwas knifflige Frage: Wie macht man das?

Der erste Schritt wäre zunächst folgender: Wenn wir den Wunsch oder Impuls verspüren, uns hinzusetzen oder hinzulegen und sei es nur für ein paar Minuten, sollten wir ihn ernst nehmen und das auch tun. Es handelt sich dabei nicht um irgendeine Laune, sondern um ein wichtiges Signal von unserem Körper. Das man sich nach acht oder 10 Stunden zumindest kurz ausruhen möchte, ist vollkommen verständlich.

Wenn sich dann wie zu erwarten der innere Kritiker meldet, dann nicht versuchen, ihn zu verdrängen, sondern einfach sprechen lassen. Mit der Zeit wird er von selbst aufhören, so wie jeder der spürt, dass seine Worte auf taube Ohren stoßen. Er wird irgendwann aufgeben. Dabei ist es ganz wichtig, dass man auch nicht dagegen anredet. Denn dann beginnt man wieder, Energie zu investieren, die man eigentlich auftanken möchte.
Es wird einiges an Zeit und Übung erfordern, aber nach und nach wirst du feststellen, dass du wieder mehr bei dir bist und spürst, dass du dir selbst und deinen Impulsen entsprechend vertrauen kannst.

Die richtige Art, Energie aufzutanken

Ein weiterer wichtiger Punkt, der nicht unterschätzt werden darf, ist die Individualität eines jeden Einzelnen. Damit ist gemeint, dass jeder Mensch Erholung auf unterschiedliche Art erlebt.

Es geht dabei darum, sich Zeit für die Aktivitäten und Interessen zu nehmen, die aufgrund des Alltags oft zu kurz kommen. Wenn Menschen etwas gerne machen, dann ist der Hintergrund zumeist der, dass sie Spaß daran haben und sich von Sorgen und Belastungen ablenken können. Dadurch wird der Geist frei und die Batterien laden sich wieder auf.

Was tust du gerne? Es kann sich dabei um alles Mögliche handeln: Körbe flechten, Nähen, Schwimmen gehen, Volleyball oder Badminton spielen, Tiere im Wald beobachten, Spazieren gehen, Malen, Musik hören, Achterbahn fahren oder mehrere Filme am Stück ansehen. Wichtig ist dabei, dass man Kraft tankt und nicht zusätzlich investieren muss.

Zudem wäre es hilfreich, geliebte Interessen oder Aktivitäten in den Alltag einzubeziehen. Das ist natürlich von der individuellen Situation abhängig und muss entsprechend angepasst werden. Wenn es jedoch gelingt und meistens sind die Rahmenbedingungen dafür auch gegeben, dann hat man sich selbst eine Oase geschaffen, zu der man sich regelmäßig begeben kann. Ein Ort, an dem man sich vom Alltag ablenken und bei sich sein kann. An dem die Gedanken zur Ruhe kommen und so Raum für neue Ideen entstehen kann.

Es geht also im Prinzip darum, zwischen den Anforderungen des Alltags und den Zeiten der Erholung den goldenen Mittelweg zu finden. Der ist bei jedem anders, da jeder Mensch sich auf seine Weise erholt.

Also, wie tankst du wieder Energie auf?

Sayeda

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