Selbstschutz oder Ablehnung?

Warum man unterscheiden muss

Selbstschutz ist eine natürliche Folge, allerdings gilt es auf sie zu achten.

Selbstschutz ist ein natürlicher Mechanismus

Nach negativen Erfahrungen, wie einer traumatischen Kindheit, Mobbing, häuslicher Gewalt usw. brauchen wir erst mal Zeit, um diese zu verarbeiten und wieder zu uns zu kommen. Je nach Persönlichkeit lassen wir oft wenige bis gar keine Menschen an uns heran. Das ist nur zu verständlich und oft neigt man auch danach noch stark dazu, sich zu schützen. Man legt dann einen Panzer an und kapselt sich ab. Hat jemand beispielsweise tatsächlich Gewalt vom vorherigen Partner erfahren, ist die Angst davor, erneut an einen solchen Partner zu geraten zu groß als dass man sich auf jemand neues einlassen könnte. Bei einer traumatischen Kindheit fehlt zwangsläufig das Urvertrauen und so die Fähigkeit auf andere Menschen zuzugehen oder andere auf sich zukommen zu lassen.

Das ist auch nur verständlich, denn solche tiefen seelischen Wunden verheilen oft nicht einfach so, sondern hinterlassen Narben, die wieder aufplatzen könnten. Es ist wichtig sich Zeit zu nehmen und dann ist etwas mehr besser als etwas zu wenig.

Selbstschutz kann sich in unterschiedlichen Formen ausdrücken

Man kann sich auf unterschiedlichste Arten schützen. Verarbeitet man die negativen Erfahrungen, dann forscht man naturgemäß nach der Ursache, dem Grund. Oft kommt man dann zu dem Schluss, dass eine bestimmte persönliche Eigenschaft dafür verantwortlich ist und nimmt sich dann vor, genau diesen Aspekt der Persönlichkeit zu reduzieren oder gar nicht mehr zum Vorschein kommen zu lassen.

Wurde man zum Beispiel in der Schule oder auf der Arbeit gemobbt und kommt dann zu dem Schluss, dass es am mangelnden Selbstbewusstsein lag, dann legt man sich ein extra selbstbewusstes, manchmal sogar arrogantes Verhalten zu, dass nichts mit echtem Selbstbewusstsein zu tun hat, aber andere soweit abschreckt, dass diese einem gar nicht erst näher kommen wollen. Kommt man nach einer missbräuchlichen Partnerschaft zu der Antwort, dass man zu blauäugig war, dann legt man ein sehr großes Misstrauen an den Tag, um eine solche Erfahrung nicht nochmal zu machen.

Bedingungsloser Selbstschutz IST Ablehnung

Ab wann handelt es sich also um Ablehnung, bzw. ab wann artet Selbstschutz in Ablehnung? Wenn man keine Unterschiede mehr macht. Sobald man keine Unterschiede zwischen den Menschen mehr macht und jedem gegenüber, der einem Angst vor einer neuen negativen Erfahrung einjagt, mit der gleichen Haltung begegnet. Sprich, wenn man sich nicht die Mühe macht, den Menschen, der einem begegnet, richtig wahrzunehmen. Dann schlägt man sie vor den Kopf oder walzt sie auf dem Weg nieder. Man ist so darauf fokussiert, sich selbst zu schützen, dass man gar nicht merkt, wie man andere mit seinem Verhalten verletzt.

Selbstschutz sollte nur eine vorübergehende Funktion sein

Wie verhindert man also, dass nötiger Selbstschutz nicht in das Extrem der Ablehnung ausartet? Das kann nur gelingen, wenn man in die Tiefe geht, also für echte Selbstheilung sorgt. Das ist ein schwieriger und schmerzhafter Prozess, weil man so gezwungen ist, die gemachten Erfahrungen erneut zu durchleben. Da spreche ich aus eigener Erfahrung.

Echte Selbstheilung bedeutet nicht nur, die Ursache dafür herauszufinden, wie es zu der negativen Erfahrung kommen konnte, sondern sich die zugrundeliegenden Voraussetzungen genau anzusehen. Warum war man beispielsweise beim Partner zu leichtgläubig? Woher kommt diese angreifbare Haltung? Wenn man gemobbt wurde und fehlendes Selbstbewusstsein die Ursache dafür ist, wieso fehlte es?

Mit diesen Fragestellungen taucht man tief in die Seele ein, was man nicht verhindern kann, wenn man die richtigen Antworten finden will und begegnet ganz anderen Aspekten, die einen neuen Blickwinkel ermöglichen. Man kommt zu der Erkenntnis, dass noch viele andere Faktoren die gemachten Erfahrungen erst ermöglicht und begünstigt haben und lernt, seine Persönlichkeit auf ganz andere Weise anzunehmen.
Dabei ist es jedoch unabdingbar, dass man sich keine Selbstvorwürfe macht, die Erkenntnisse annimmt und für das weitere Leben die Verantwortung übernimmt.

In dieser Zeit ist es wichtig, sich zurück zu ziehen, um möglichst tief in sich gehen zu können.

Der richtige Umgang mit Selbstschutz

Solltest du also gerade in einer Phase stecken, in der du es für nötig hältst, dich selbst zu schützen, dann halte dir folgendes vor Augen: Der Mensch, der dir gegenüber steht und dich nicht kennt, weiß nicht, was du durchgemacht hast und weshalb du dich selbst schützt. Außerdem ist er nicht verantwortlich dafür, hat es also auch nicht verdient, dass du ihn vor den Kopf stößt. Das ist gerade am Anfang schwer, aber versuche deinen Gegenüber richtig wahrzunehmen. Wenn du sein Verhalten aufmerksam beobachtest, erkennst du relativ schnell, ob du ihm trauen kannst oder nicht. Solltest du feststellen, dass deine vorsichtige Haltung gerechtfertigt ist, kannst du immer noch auf Abstand gehen.

Lass nicht deine Angst dein Verhalten bestimmen, denn so könntest du neue und womöglich sogar heilsame Erfahrungen verpassen und das wäre wirklich bedauerlich.

Wenn du aber gerade mit einem Menschen zu tun hast, dessen Verhalten auf Selbstschutz schließen lässt, dann sei dir bitte über folgendes bewusst: Dein Gegenüber schützt sich aus Angst davor, erneut verletzt zu werden und denkt fast mit Sicherheit daran, dass er jemand anderen verletzen könnte. Wenn es dir nicht möglich sein sollte, sein Misstrauen zu zerstreuen, bedränge ihn nicht, sondern gib ihm Freiraum. Zeige, dass die Entscheidung, sich auf dich einzulassen, bei ihm liegt. Sollte er sich in die Ecke gedrängt fühlen, zieht er sich nur noch weiter zurück. Wenn er Vertrauen zu dir fasst und sich öffnet, ist das ein gutes Zeichen. Sollte er nicht aus sich herauskommen, dann übe dich entweder in Geduld oder gehe auf Abstand. Vertrauen entsteht selten von heute auf morgen (hin und wieder doch).

Wichtig ist, sich und anderen Zeit zu geben.

Alles Liebe

Sayeda

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