Seinen Schatten erkennen

Oder: Herausfinden, inwiefern du dir selbst im Weg stehst

Nur ein uns bewusster Schatten kann uns nicht mehr kontrollieren.

Wie der Schatten wirkt

Viele von uns haben klar formulierte Ziele. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um große oder kleine Ziele handelt. Wichtig ist, dass wir sie klar aussprechen können, denn das zeigt, dass wir sie genau vor Augen haben. Grundsätzlich hätten wir auch die notwendigen Ressourcen, sind motiviert und freuen uns darauf, das Ziel zu verfolgen. Dann beginnen wir damit und es scheint zunächst gut zu laufen, bis wir ab einem bestimmten Punkt einfach wieder damit aufhören. Das vertrackte an der Geschichte: Es passiert auf eine solch subtile Weise, dass wir es gar nicht wahrnehmen. Ein paar Tage, vielleicht ein paar Wochen oder ganz selten ein paar Monate halten wir unsere Vorsätze konsequent ein und ehe wir es merken, leben wir unsere Leben wieder im üblichen alltäglichen Trott und merken es erst, wenn schon wieder eine gewisse Zeit verstrichen ist. Nach ein paar Wochen oder Monaten erinnern wir uns an unsere Vorsätze wieder, wundern uns oder sind frustriert über die verstrichene Zeit, wollen wieder starten und das Ganze geht wieder von vorne los…

So wirkt unser Schatten. So subtil und unauffällig buchstäblich aus dem Schatten heraus, dass man es erst später merkt. Einige mögen jetzt vielleicht einwenden, dass das nicht sein kann, schließlich hat man sich ja ganz bewusst dafür entschieden, seine Ziele zu verfolgen und zu verwirklichen. Warum sollte man da auf halbem Weg aufhören? Die Antwortet lautet: Weil die bewusste Instanz unserer Persönlichkeit und der in uns wohnende Schatten zwei verschiedene Anteile sind, die getrennt voneinander agieren. Würden Sie kooperieren, stünden wir logischerweise auch nicht vor diesem Problem. Es muss einem also zuerst die Existenz dieser beiden Anteile unserer Persönlichkeit bewusst werden.

Was der Schatten IST

Als nächstes stellt sich da die absolut berechtigte Frage: Was genau ist dieser Schatten eigentlich? Woraus besteht er? Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich um einen Anteil unserer Persönlichkeit, der uns nicht bewusst ist und deshalb ungesehen agieren kann, ohne dass wir darauf einwirken können. Er besteht aus den negativen Glaubenssätzen, die wir uns im Laufe unserer ersten Lebensjahre eingeprägt haben. Es handelt sich dabei um Überzeugungen, die ein schlechtes Bild von uns darstellen und in unserem Unterbewusstsein eingespeichert sind. Da sie uns deshalb nicht bewusst sind, steuern sie unser Verhalten, ohne dass wir es merken und folglich auch nichts dagegen tun können.

Die negativen Glaubenssätze entstehen durch fehlerhaftes oder gänzlich negatives Verhalten unserer Eltern. Durch ihr Verhalten erfahren wir negative Emotionen wie Trauer, Schmerz, Einsamkeit usw. wodurch wiederum die Überzeugung in uns entsteht, dass wir nicht liebenswert, nicht wertvoll sind, oder zur Last fallen usw. Da wir als Kinder damit jedoch nicht wirklich etwas anfangen können, verdrängen wir diese Erfahrungen und fokussieren uns auf die positiven Seiten unserer Eltern. Die negativen Glaubenssätze wirken jedoch weiter und steuern so unser Verhalten und auch unsere Wahrnehmung. Durch ihre Brille nehmen wir unsere Umgebung wahr. So lange uns dieser Umstand nicht bewusst ist, werden wir im Leben auch nicht auf die gewünschte Weise vorankommen.

Den Schatten beleuchten

Wenn wir also ein bestimmtes Ziel haben, bei dessen Verfolgung wir immer wieder scheitern, dann müssen wir bei einem ganz anderen Punkt ansetzen.
Nehmen wir zur Veranschaulichung ein einfaches Beispiel: Eine Frau hat jetzt zum dritten Mal eine Beziehung beendet, weil der Partner sich als unzuverlässig erwiesen hat. Nach diesem Scheitern fasst sie den Entschluss, endlich einen Partner zu finden, auf den sie zählen kann. Da in ihrem Unterbewusstsein jedoch der Glaubenssatz eingespeichert ist, dass sie ein schwieriges Kind ist, wird sie entweder wieder an einen unzuverlässigen Partner geraten oder die Beziehung so weit sabotieren, dass sie einen potenziellen zuverlässigen Partner vergrault. Da ihr dieser Glaubenssatz nicht bewusst ist, ist ihr folglich auch nicht klar, dass genau dieser ihr Verhalten steuert und kann daher dem nicht konstruktiv entgegenwirken.

Wollen wir unsere Probleme nachhaltig lösen und unsere Ziele somit tatsächlich verwirklichen, ist es unumgänglich, dass wir uns der im Schatten wirkenden Glaubenssätze bewusst werden, damit unser Verhalten nicht mehr von ihnen gesteuert wird. Und da es sich bei diesen Glaubenssätzen um Prägungen aus der Kindheit handelt, müssen wir eine möglicherweise schmerzhafte Reise in die Vergangenheit machen, um die Ursache für deren Entstehung herauszufinden. Die Herausforderung besteht darin, die damit verbundenen Emotionen zuzulassen und auch auszuhalten. Denn nur Gefühle, denen man den angemessenen Raum gibt, können wieder vergehen.

Dem Schatten ins Auge sehen

Sind wir den Ursachen für die negativen Glaubenssätze auf den Grund gegangen, stehen wir vor der nächsten Herausforderung: Die Verantwortlichen zu betrachten. In der Regel handelt es sich um unsere Eltern oder die Bezugspersonen, die in den ersten Jahren den größten Einfluss auf uns haben. Sich deren Fehler einzugestehen ist für viele nicht einfach, da man ihnen oft gleichzeitig auch eine Menge zu verdanken hat. Es geht dabei auch nicht darum, sie mit Vorwürfen zu bombardieren und ihnen die Schuld für die eigenen Probleme aufzubürden. Es geht darum, zu erkennen, wie ihr Verhalten uns gegenüber die Entstehung dieser Glaubenssätze hat entstehen lassen. Letztendlich geht es in der Hauptsache darum, sich darüber bewusst zu werden, dass unsere Eltern auch nur Menschen sind, die eben auch Fehler machen. Dass wir sie als Kinder auf ein Podest gestellt haben, ist nur natürlich, da wir vollständig von ihnen abhängig waren. Aber als Erwachsener ist das nicht mehr nötig und deshalb wird es Zeit, sich aus dieser Haltung zu lösen, damit die Glaubenssätze nicht mehr heimlich aus dem Schatten heraus unser Verhalten und unsere Wahrnehmung steuern.

Wenn du bei dieser Angelegenheit Hilfe brauchst, scheue dich nicht. Dem inneren Schatten zu begegnen ist kein leichtes Unterfangen und oft auch kein schmerzfreies.

Alles Liebe

Sayeda

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