Ja zu sich sagen

Was das wirklich bedeutet

Rollenbestandteile oder ganze Persönlichkeit? Die Antwort ist einfach

Wie wir uns selbst oft wahrnehmen

Auf der Arbeit sind wir der zuverlässige Arbeitnehmer, der beliebte Kollege oder gar der unbeliebte Chef. Zuhause sind wir der strenge Vater oder die fürsorgliche Mutter, der liebevolle Partner oder der nervige ältere Bruder/Schwester. In der Schule sind wir der lustige Klassenclown, der langweilige Streber oder gar der autoritäre Klassensprecher. In der Mannschaft sind wir stets verfügbare Kapitän, oder das unverzichtbare Ass. In der Krabbelgruppe hat man als Mutter den Ruf, den besten Kuchen zu backen oder das lebhafteste Kind zu haben.

Bei all diesen Aufzählungen handelt es sich um wichtige Bestandteile in unserem Leben, je nachdem wo wir aktuell stehen. Das Stichwort dabei ist der Begriff Bestandteil. Denn bei all diesen Aspekten kommen nur Anteile unserer Persönlichkeit zur Geltung und zwar nur die, die in der angenommenen Rolle angemessen sind. Das ist auch nichts schlechtes, soziale Gruppen funktionieren über das Zusammenspiel von bestimmten Rollen, die auf die einzelnen Mitglieder festgelegt werden. Ein anderes einleuchtendes Beispiel ist die Teamarbeit. Ein Team funktioniert nur erfolgreich, wenn jeder, die ihm zugewiesene Rolle richtig erfüllt.

Lange Zeit sind wir in fast allen Aspekten so ausgefüllt, dass wir dies nicht hinterfragen und auch hauptsächlich in dieser Rolle wahrnehmen, obwohl wir uns als Individuum betrachten und auch bewahren wollen. Allerdings passiert es schließlich irgendwann, dass man seine Rollen hinterfragt und sich selbst und auch die anderen Mitglieder mit kritischerem Blick beobachtet. Dabei kommen unweigerlich Fragen auf. Diese lauten dann höchstwahrscheinlich so: „Wieso bin ich eigentlich der Klassenclown? Seit wann habe ich den Titel der Streberin? Wann bin ich als Chef unbeliebt geworden? Um auf diese Fragen eine Antwort zu finden, begeben wir uns auf eine seelische Reise in die Vergangenheit, um die Ursachen für die darauffolgende Entwicklung zum aktuellen Endresultat zu ergründen. Dabei stellt man häufig fest, dass niemand die Rollen verteilt hat, sondern sie sich unwillkürlich ergeben. Jemand, der nichts oder nicht viel sagt, gilt dann eben einfach als schüchtern oder ruhig, während jemand, der ständig Sprüche klopft, schnell als Spaßvogel tituliert wird.

Weshalb sich die Wahrnehmung auf Rollen beschränkt

Es gibt einen Grund, weshalb man Menschen Rollen zuteilt und zumeist auch auf diese beschränkt: Der Umgang innerhalb einer sozialen Gruppe wirddadurch stark vereinfacht, weil mit der Titulierung entsprechende Erwartungen assoziiert werden. Z.B. wird vom Spaßmacher unter den Kollegen hauptsächlich erwartet, die positive Stimmung aufrecht zu erhalten, während seine Leistung eher hinter den Erwartungen zurückbleibt. Dagegen wird von der Streberin in der Klasse ohne weiteres erwartet, immer die Hausaufgaben zuverlässig parat zu haben, wenn andere Klassenkameraden von ihr abschreiben wollen.

Festgelegte Rollen und mit ihnen verbundene Erwartungen ersparen einem das Nachdenken und erleichtern deshalb das Leben. Man hat schlicht keine Angst, wenn man weiß, womit man es am Tag zu tun bekommt und was auf einen zukommt. Das sorgt für Stabilität, aber auch für Bequemlichkeit. In der Folge entsteht eine Komfortzone, aus der man sich nur ungern hinaus bewegt. Das wiederum verursacht Stagnation und verhindert so, dass wir uns weiter entwickeln.

Wollen wir dagegen nicht in den Rollen verhaften bleiben, können wir sie tatsächlich verlassen.

Wenn wir unsere Rollen als einschränkend empfinden

Irgendwann, manchmal früher, manchmal später beginnen wir es als unbefriedigend oder gar einengend auf bestimmte Rollen festgelegt zu sein. Wir empfinden unsere Persönlichkeit und den Umgang mit unseren Mitmenschen als beschränkt und wollen in der Folge davon mehr. Wir wollen als ganzheitliche Persönlichkeit wahrgenommen und akzeptiert und nicht auf einzelne Aspekte reduziert werden.

Der Spaßmacher unter den Kollegen hat z.B. irgendwann genug davon, nur für Unterhaltung zu sorgen und will stattdessen auch für seine Arbeit geschätzt werden. Die fürsorgliche Mutter will vielleicht irgendwann nicht mehr nur für die Kinder da sein, sondern sich auch mal wieder ihrem Interesse wie Gartenarbeit oder Sport widmen. Die Streberin der Klasse will nicht mehr als langweilig gelten, sondern auch als vollständiger Mensch gesehen werden. Wer also uneingeschränkt „ja“ zu sich sagt, will die Grenzen der festgelegten Rolle erweitern oder gar vollständig auflösen.

Wer solche Ziele hat, sollte sich über folgendes im Klaren sein: Entscheidet man sich für diesen Schritt, verlässt man die Komfortzone und hat einiges an Arbeit vor sich. Ist man jedoch von seinem Ziel überzeugt, wird man sich nicht abschrecken lassen.

Uneingeschränkte Wahrnehmung bedeutet Veränderung

Hat man also für sich die Entscheidung getroffen, als vollständige Persönlichkeit akzeptiert werden zu wollen, muss einem klar sein, dass das bestehende Umfeld nicht unbedingt positiv darauf reagiert. Mit Sicherheit werden einige Freunde, die der gleichen Ansicht sind, sich darüber freuen, aber einige, vielleicht sogar die meisten, werden eher verwirrt oder gar skeptisch darauf reagieren.

Will man anders wahrgenommen werden, versucht man eine Veränderung umzusetzen und es ist eine unleugbare Tatsache, dass Veränderungen sich nie auf nur eine Person beschränken, sondern sich auch auf unsere Mitmenschen auswirken. Dies erzeugt Arbeit und das ist oft anstrengend.

Meint es der Spaßmacher auf der Arbeit wirklich ernst mit seiner Leistungsbereitschaft wird er entweder einen etwas höher gestellten Kollegen oder dem Vorgesetzten um neue oder schwerere Aufgaben bitten. Bleibt er hartnäckig und lässt sich nicht abwimmeln, dann haben die Kollegen oder der Vorgesetzte keine andere Wahl als passende Aufgaben rauszusuchen. Will die Mutter etwas Zeit für sich um Sport treiben zu können oder mehr Zeit für die Gartenarbeit zu haben, wird sie entweder eine zusätzliche Betreuung für die Kinder benötigen oder ihren Mann dazu auffordern, früher von der Arbeit nach Hause zu kommen.

Menschen reagieren meist eher negativ auf Veränderungen, deshalb bedarf es einer gewissen Beharrlichkeit und Konsequenz beim Vorgehen, damit sie diese schlussendlich akzeptieren.

Sagst du also ganz bewusst „Ja!“ zu dir, dann begibst du dich also auf eine spannende Reise der Veränderung. Bist du dazu bereit, wirst du an den Herausforderungen wachsen!

Alles Liebe

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