Ins Licht gehen

Oder: Seine eigenen Schattenseiten erkennen

Licht leuchtet auf beiden Seiten, also aufs Umfeld und auch auf uns selbst.

Erstes Hindernis: Sich das eigene Unglück eingestehen

Oft braucht es Monate, manchmal sogar Jahre, bis Menschen sich eingestehen, dass sie mit dem aktuellen Stand ihres Lebens unzufrieden sind. Lange wiegt man sich in Sicherheit angesichts des beruflichen und damit auch finanziellen Erfolgs. Wenn dann die ersten Anzeichen bestehenden Unglücks auftreten, wie durch körperliche Symptome (z.B Kopfschmerzen, Atemschwierigkeiten usw.) werden diese oft mit Medikamenten still gelegt. Man macht dann so weiter wie bisher. Im Laufe der Zeit ist man dann zunehmend lustlos und steht immer widerwilliger auf, wenn morgens um sechs der Wecker klingelt. Dies schiebt man dann auf bestehenden Druck und Stress seitens der Arbeit, der aber nach einer gewissen Zeit wieder von selbst abebbt. Sobald dies überwunden ist, ist man wieder euphorisch und motiviert.

Die Lustlosigkeit und permanente Erschöpfung lassen aber nicht nach, sondern nehmen im Gegenteil immer mehr zu und oft erst ab diesem Punkt stellen sich viele erst die Frage: Warum zum Donner geht es mir überhaupt so schlecht? Ich verdiene gut und habe einen sicheren Arbeitsplatz. Familie und Freunde habe ich auch, was also stimmt nicht mit mir? Weshalb bin ich ständig so müde und unmotiviert. Einmal gestellt, begleitet die Frage einen permanent und rotiert so lange im Kopf, bis man die richtige Antwort gefunden hat. Bei allem, was man macht, drückt die Frage im Hinterkopf. Egal, ob man arbeitet, mit Kollegen zu tun hat, sich mit Freunden trifft, oder Zeit mit dem Partner verbringt. Sie ist allgegenwärtig. Oft trifft einen dann buchstäblich der Schlag, wenn man endlich erkennt, dass man tatsächlich unglücklich mit seinem Leben ist.

Damit ist es aber nicht getan. Sich das eigene Unglück einzugestehen ist nur die halbe Miete. Als nächstes gilt es den Grund dafür herauszufinden. Man beginnt zwangsläufig, sich selbst und seine Umgebung mit wacheren und somit auch kritischeren Augen zu beobachten. Sind meine Kollegen wirklich fair? Sind meine Freunde auch echte Freunde? Bin ich mit meiner jetzigen Beziehung glücklich? Ist mein Partner glücklich? Nicht zuletzt auch: Wie geht es mir damit?

Diese Fragen möglichst unvoreingenommen zu beantworten ist nicht allzu leicht, aber möglich. Es geht dabei hauptsächlich darum, beide Seiten zu betrachten. Das heißt die guten und schlechten Eigenschaften der Menschen in unserer Umgebung wahrzunehmen. Also die rosarote Brille ablegen.
Hat man schließlich die Antwort für das bestehende Unglück gefunden, geht es im nächsten Schritt darum die Ursachen zu beseitigen. Darin liegt aber oft schon das nächste Problem.

Zweites Hindernis: Sich selbst

Haben wir also Licht ins Dunkel gebracht und herausgefunden, was uns daran hindert, mehr Lebensfreude zu haben, zögern oder scheitern sogar oft daran, tatsächlich etwas zu verändern. Das Licht leuchtet nämlich nicht nur einseitig, das heißt auf unser Umfeld, sondern auch auf uns. Bei der Suche nach dem Grund für das bestehende Unglück finden wir nicht nur darauf die Antwort, sondern stoßen auch auf unsere Schattenseiten. Wir begegnen also auch unseren Schwächen. Haben wir z. B. falsche Freunde, die uns ausnutzen, kommen wir nicht umhin festzustellen, dass wir zu gutmütig oder nachgiebig sind. Wenn unser Vorgesetzter wie selbstverständlich davon ausgeht, dass wir Überstunden machen, dann sind wir selbst dafür verantwortlich, weil wir unser Engagement beweisen wollen und deshalb bereitwillig mehr als nötig leisten. Die Medaille hat also zwei Seiten. Wir verlassen zwangsläufig die Komfortzone und begegnen der Notwendigkeit, Verantwortung für unsere Entscheidungen zu übernehmen. Das kostet Zeit und Kraft. Sich dies einzugestehen ist aber der Schlüssel, um etwas nachhaltig zu verändern. Nicht ohne Grund heißt es jeder ist seines Glückes Schmied.

Drittes Hindernis: Das Umfeld

Gelingt es uns, unsere eigenen Unzulänglichkeiten zu akzeptieren und die Verantwortung für unsere Entscheidungen zu übernehmen und machen uns als nächstes daran, die Ursachen zu beseitigen, stoßen wir dabei auf teilweise heftigen Widerstand. Hören wir z.B. auf Überstunden zu machen, müssen wir uns zwangsläufig mit  unserem Vorgesetzten auseinandersetzen. Distanzieren wir uns von Menschen, die sich als falsche Freunde herausgestellt haben, wollen diese das manchmal nicht einfach hinnehmen und suchen weiterhin den Kontakt.

In dieser Zeit ist es sehr wichtig konsequent zu bleiben. Das ist verständlicherweise nicht einfach, zum einen weil Menschen fast immer negativ auf Veränderungen reagieren, zum anderen weil es auch Kraft erfordert, gegen Widerstände den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen.

Hilfreich ist dabei oft folgendes: Wenn Menschen, von denen du weißt, dass sie dir nicht gut tun, darauf drängen, wieder Teil deines Lebens zu werden, und du beginnst zu schwanken, stelle dir selbst folgende Frage: Was kann die Person dir positives geben? Sie hat dich ausgenutzt und kann jetzt nicht akzeptieren, dass du dich davon löst. Hat sie zu deinem Glück beigetragen? Wenn nötig, kannst du die Menschen damit konfrontieren. So lässt sich auch erkennen, ob sie sich womöglich weiter entwickelt haben, oder immer noch die gleichen Eigenschaften besitzen. Das kannst du anhand ihrer Reaktion relativ einfach herausfinden. Außerdem sind in der Zwischenzeit meist auch schon neue Menschen in dein Leben getreten, die positiv zu deiner weiteren Entwicklung beitragen.

Wenn man also Licht ins Dunkel bringt, leuchtet es nicht nur einseitig, sondern bestrahlt alles ohne Wenn und Aber. Entsprechend liegt es an uns, unsere eigenen Schatten als solche zu erkennen und uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Nur wenn wir das tun, können wir verhindern, wieder im selben schädlichen Muster zu landen und unser Leben nachhaltig positiv verändern. Das gelingt aber nur, wenn wir die Muster als solche erkennen.
Sich schon mal einzugestehen, dass man etwas verändern muss ist ein wichtiger erster Schritt. Die darauffolgenden werden dann zunehmend einfacher. Wichtig ist dabei, dass man nachsichtig mit sich selbst ist und mit Selbstfürsorge agiert.

Alles Liebe

Sayeda

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