Haben und Sein

Was definiert das Leben? Unsere Entscheidung

Freiwillig ins Hamsterrad für den Erfolg

Von frühester Kindheit an werden wir praktisch darauf getrimmt, Erfolg zu haben. Sei es in der Schule, beim Sport, gar in der Liebe. Wir sollen uns so gut wie möglich anstrengen und werden von unseren Eltern dazu angehalten, so viel wie möglich zu lernen, um die besten Ergebnisse in Form von Noten zu erzielen. Wir erhalten die bestmögliche Förderung und strengen uns schon in der Grundschule an, um den Notendurchschnitt für das Gymnasium zu erreichen, oder gar zu übertreffen. Haben wir das geschafft, dreht sich das Hamsterrad jedoch nicht langsamer, sondern munter weiter oder gar schnell.

Wir passen uns dem Tempo an und versuchen noch mehr möglichst herausragende Leistungen zu vollbringen. Nebenbei belegen wir Wahlfächer, übernehmen das Amt des Klassen- und Schulsprechers und treiben außerdem noch Sport, denn je mehr im Zeugnis steht desto besser.

Wir strampeln uns also ab in der Hoffnung, uns so eine gute Zukunft zu sichern. Mit dem erworbenen Abschlusszeugnis schreiben wir uns für das Studienfach an der Universität ein, pauken weiter und starten dann schnellstmöglich ins Berufsleben, wo es nicht aufhört, sondern das Hamsterrad nochmal deutlich an Tempo zulegt. Anstatt mal innezuhalten und das Hamsterrad an sich zu hinterfragen, versuchen wir weiter wie verrückt, mitzuhalten. Am Arbeitsplatz übernehmen wir Zusatzaufgaben und machen Überstunden und gestatten uns dann endlich zum ersten Mal ein bisschen Anerkennung, wenn wir auf unsere erste Gehaltsabrechnung blicken.

Die ist aber ebenfalls schnell verflogen, denn das hart erarbeitete Geld wird relativ schnell ausgegeben. Nicht für das notwendige, wie Wohnung, Internet, oder vielleicht Auto, sondern für materiellen Schnickschnack, mit denen wir uns überladen, weil wir damit Erfolg assoziieren und ihn so zur Schau stellen wollen. So funktioniert unsere Gesellschaft.

Wir schuften uns also zu Tode, um Besitztümer anzuschaffen, die keinen wirklichen Wert an sich haben, sondern nur zur Darstellung dienen. Geht es im Leben wirklich darum? Mit Verlaub: Das bezweifle ich doch sehr.

Weshalb wir freiwillig das Hamsterrad betreten

Warum tun wir uns das an? Weshalb schuften wir uns halb zu Tode, nur um eigentlich nutzlose Besitztümer anzuschaffen? Warum lassen wir uns auf dieses Spiel ein? Weil wir wie schon gesagt, als Kinder darauf getrimmt wurden. Wie? Hier mal einige Beispiele von Sätzen, mit denen unsere Eltern uns in die Spur gebracht haben:

•    Ohne Fleiß kein Preis!
•    Das Leben ist kein Zuckerschlecken!
•    Man bekommt im Leben nichts geschenkt!
•    Du sollst es mal besser haben als wir!
•    Wenn du nicht auf eine gute Schule kommst und fleißig lernst, erreichst du nichts!
•    Das Leben ist kein Wunschkonzert!

Einige dieser Sätze klingen wahrscheinlich jedem von uns noch im Ohr. Da wir es als Kinder kaum besser wissen können, haben wir die Worte unserer Eltern für bare Münze genommen, gehorcht und uns bemüht, ihren Anforderungen gerecht zu werden. Zudem wollten wir sie auch bestimmt nicht enttäuschen. Man könnte fast sagen, dass wir darauf programmiert wurden.

Mit Sicherheit meinen Eltern es gut, wenn sie solche Sätze aussprechen. Dahinter steckt meist der Wunsch nach Wohlergehen und Sicherheit für uns. Sie wollen sehen, dass wir auf eigenen Beinen stehen und Verantwortung übernehmen können und die damit verbundenen Symbole sind für sie nun mal ein guter Abschluss, der zu einem guten Gehalt führt, mit dem wir später selbst mal eine Familie ernähren können, wenn es so weit ist. Dies basiert auch wiederum auf der Programmierung, die sie von ihren Eltern erhalten haben. Das ist den meisten auch kaum bewusst, sonst würden sie sich vielleicht an die Stirn klatschen und die Haare raufen vor Schock.

Hinter diesem Abstrampeln im Hamsterrad steckt also der Wunsch nach Sicherheit, der uns von Kindheit an antreibt. Das ist zwar grundsätzlich nicht verkehrt, aber man vergisst dabei: Sicherheit ist eine Illusion. Wir können noch so sehr versuchen, Geld zu horten, ein Haus zu bauen, dass so sicher wie ein Bunker ist oder noch so viel unnötiges Zeug anschaffen; das alles mag ein Gefühl von Sicherheit zu erzeugen, hat aber mit der Realität nicht das Geringste zu tun. Wir können unser Geld durch einen Einbruch oder falsche Investition verlieren, unser Haus kann in jedem Moment von einem Kometen getroffen werden und außerdem können wir krank werden und sterben, ohne etwas dagegen tun zu können. Da hilft aller Reichtum der Welt nichts. Vor dieser Wahrheit können wir nicht fliehen und sollten es auch nicht. Denn sie ist nun mal die unumstößliche Realität.

Raus aus dem Hamsterrad, rein in den Fluss

Was genau heißt das jetzt? Soll man sich im Leben um gar nichts mehr bemühen und einfach nur in den Tag hineinleben, weil es sowieso keine Garantie im Leben gibt? Natürlich nicht, aber wir sollten uns folgende Frage stellen: Wenn das Anhäufen von materiellen Besitztümern keine echte Sicherheit verschafft, welchen Sinn hat es dann, sich im Hamsterrad dafür abzustrampeln?
Die einfache wie auch harte Antwort lautet: Keinen. Stellt sich also konsequenterweise die nächste Frage: Worauf kommt es im Leben dann an, wenn nicht darauf?

Es kommt darauf an, welchen Wert wir dem Leben beimessen und was wir daraus machen wollen. Wenn wir es geschafft haben, den Wunsch nach absoluter Sicherheit loszulassen, sind wir frei, herauszufinden, was uns wirklich wichtig ist. Wir können uns erlauben, die Frage zu stellen, was wir im Leben sein wollen.

Denn letztendlich läuft es darauf hinaus. Wenn wir aufhören, Erfolg durch materiellen Reichtum zu definieren, gelangen wir zwangsläufig zur Definition über unsere Persönlichkeit. Das bedeutet wir stellen uns die Frage, was wir sein wollen und nicht was wir haben wollen. Wir verlassen das Hamsterrad und lassen uns in den Fluss sinken, um zu sehen, wohin er uns führt.

Die dadurch erworbenen Erfahrungen wiegen jede scheinbare Sicherheit doppelt und dreifach auf.

Wann machst du dich auf den Weg?

Sayeda

Zurück