Geduld und Vertrauen

Wer geduldig ist, hat Vertrauen

Wenn es schwer fällt zu warten

Sowohl Kinder als auch Jugendliche als auch Erwachsene erleben immer wieder Zeiten, in denen es ihnen schwer fällt zu warten. Kleine Kinder können zum Beispiel kurz vor ihrer anstehenden Geburtstagsfeier kaum still sitzen und freuen sich wie verrückt auf den Kuchen, aufs Auspusten der Kerzen und auf die Geschenke. Ein anderes passendes Beispiel ist der erste Schultag. Voller freudiger Erwartung kaufen sie die Schultüte und die Süßigkeiten ein, um letzteres damit zu befüllen.

Später dann als Jugendliche, wenn es um den beginnenden Ernst des Lebens geht, erlebt man dieses Gefühl der Unruhe erneut in der Phase zwischen Abschlussprüfung und Bekanntgabe der Noten. Entweder möchte man einfach nur wissen, ob man bestanden hat, oder hofft, die erzielte Leistung reicht für den gewünschten weiteren Bildungsweg aus. Zum Beispiel für ein bestimmtes Fach oder eine bestimmte Universität.

Auch als Erwachsene sind wir kaum davor gefeit, in bestimmten Phasen wie auf Eiern zu sitzen. Bewerben wir uns für eine Stelle in unserem Traumberuf, warten wir zittrig auf den Anruf des Personalchefs, der die erhoffte Zusage mitteilt. Will man einen ganz großen Auftrag ergattern, wartet man sehnsüchtig und gleichzeitig mit kaltem Schweiß auf die Mitteilung, dass der Kunde die frohe Botschaft mitteilt.

Im privaten Bereich kann es wiederum passieren, dass wir wie zu Salzsäulen erstarrt vor dem Telefon sitzen, damit der mögliche potenzielle Partner sich wie angekündigt meldet. In Gedanken malen wir uns schon die ideale Verabredung und beginnende Beziehung aus oder schmieden gar Hochzeitspläne.
Wenn das erhoffte eintrifft, schweben wir auf Wolke sieben und die Welt ist rosarot und perfekt. Wir erleben einen Höhenflug und sprühen vor Freude. Erleben wir dabei jedoch eine Enttäuschung, ist die Trauer oder der Frust darüber genauso groß. Wir warten sozusagen darauf, entweder ins eine oder andere Extrem zu rasen.

Warten und (Er-)Warten

Weshalb fällt es uns in solchen Zeiten so schwer ruhig und gelassen zu bleiben und stattdessen von Unruhe erfasst? Wieso zittern wir wie verrückt und baden in Schweiß vor Nervosität? Die Antwort darauf ist schnell gefunden: Weil wir uns von dem gewünschten Ergebnis eine positive Veränderung erhoffen. Wir setzen große Erwartungen in das Ergebnis, von dem aus wir endlich problemlos durchstarten können.

Vom neuen Job erhoffen wir uns bessere finanzielle Perspektiven. Mit dem Gehalt kann man endlich das Traumhaus finanzieren. Mit diesem großen Auftrag sichern wir uns die unternehmerische Selbstständigkeit, die wir dann weiter ausbauen können. Vom potenziellen neuen Partner erhoffen wir uns, dass er uns das Leben schöner macht oder aus der Einsamkeit „rettet“. Wir erhoffen uns Verbesserungen für unser Leben und da wir in solchen Situationen von der Entscheidung anderer abhängig sind, sind viele dementsprechend angespannt.

Diese von Unruhe besetzte Haltung ist durchaus verständlich und nachvollziehbar. Mir selbst gelingt das mittlerweile besser, aber auch ich bin immer noch nervös in den meisten Fällen.

Umso mehr stellt sich da die Frage, warum andere Menschen in genau den gleichen Situationen völlig gelassen bleiben. Anders gesagt, haben sie die Ruhe weg. Worin unterscheiden sie sich von uns?

Warten können heißt Vertrauen können

Diese Menschen unterscheiden sich von anderen dadurch, dass sie in sich ruhen. Ihr Vertrauen ist unerschütterlich und deshalb werden sie auch nicht nervös. Worauf sie vertrauen ist wahrscheinlich nebensächlich, so lange es stark genug ist.

Solche Menschen hatten entweder ein sehr förderliches Umfeld, haben ihre Sicherheit durch Lebenserfahrung gewonnen oder bringen diese einfach mit. Sie werden nie laut oder wütend und scheinen noch in Situationen Verständnis aufbringen zu können, wo unsereiner wahrscheinlich schon längst aus der Haut gefahren wäre. Wenn man sie darauf anspricht, antworten sie meistens mit klugen Sätzen wie: „Was bringt es sich, aufzuregen? Damit schade ich mir nur selbst.“ Oder „Nervös zu werden, bringt mich auch nicht schneller ans Ziel. Ich habe getan, was ich konnte, den Rest muss ich abwarten.“

Diese Sätze klingen sehr einleuchtend, lassen sich aber tatsächlich schwer in die Tat umsetzen. Man kann eben schwer aus seiner Haut raus. Kann man diese Sicherheit überhaupt für sich gewinnen? Ja und es gibt auch konkrete Wege dafür.

Warten mit Taten füllen

1.    Mehrere Eisen im Feuer haben

Ein Grund für die Unsicherheit ist die vollkommene Abhängigkeit von der Entscheidung einer Person oder Partei. Also wäre es hilfreich, sich weitere Perspektiven oder Alternativen zu schaffen, falls das gewünschte Ziel nicht auf die ursprüngliche Art erreicht wird. Das Wissen, dass es auch bei einem negativen Resultat noch weiter gehen kann, schafft enorme Sicherheit und Erleichterung.
Konkret heißt das: Im Geschäftsleben mehr als nur auf einen Kunden konzentrieren oder bei mehr Stellen für die gewünschte Tätigkeit bewerben.
Im Privatleben nicht auf den Partner fokussieren, sondern auch Beziehungen zu Freunden entsprechend pflegen.

2.    Andere Baustellen betrachten

Anstatt wie eine Statue neben dem Telefon oder am PC zu sitzen und auf die ersehnte Erlösung zu warten, ist es viel sinnvoller, weitere Ursachen für die eigene Unsicherheit zu betrachten und gegebenenfalls daran zu arbeiten. Die damit zusammenhängenden Erfolgserlebnisse sorgen für mehr Selbstsicherheit und somit auch Gelassenheit.
Weshalb oder wobei bist du noch unsicher? Aussehen, soziale Kompetenz oder Auftreten vor größerem Publikum?

3.    Erwartungen senken

Das ergibt sich meistens von selbst, dennoch ist es gut, sich dessen bewusst zu sein. Nicht alles auf eine Karte zu setzen, schraubt die Erwartungen zwangsläufig runter und man kann dadurch von vornherein gar nicht mehr so erschüttert werden, wenn etwas schief geht. Die Freude im Falle eines Erfolges ist jedoch umso größer.

Durch diese Maßnahmen wird man nicht unbedingt die Ruhe in Person, aber verschafft sich so innere Stabilität, die einem dabei hilft, gelassener zu werden. Außerdem können sie eine hilfreiche Ablenkung sein und so der Nervosität entgegensteuern.

Welche Baustellen machen dir also noch zu schaffen?

Sayeda

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