Freiheit und Grenzen

Oder: Entfaltung und Entwicklung

Wachsen oder feststecken, was ist erstrebenswerter?

Freiheit dient der Entfaltung

Jeder, der in der Kindheit mit vielen Restriktionen zu kämpfen hatte, weiß das: Ohne ein ausreichendes Maß an Freiheit ist keine Entfaltung möglich. Wir können unsere Talente und Interessen nicht ausleben, wenn wir zu sehr damit beschäftigt sind, keine Grenzen zu übertreten. Man kann sich nicht vollständig der Musik oder der Malerei widmen, wenn man ständig auf die Lautstärke oder die Zeit achten muss. Freiheit ist der Aspekt des Lebens, in denen wir unsere seelischen und geistigen Bedürfnisse zum Zuge kommen lassen können und den Kopf mal außen vor lassen können. Diese Zeit gehört allein uns und denen, mit der wir sie teilen.

Nur, wenn wir die Möglichkeit zur Entfaltung haben, können wir unsere Talente und Interessen ausreichend genug erforschen, um uns selbst besser kennen zu lernen und gleichzeitig herauszufinden, wie wir unsere Leben gestalten wollen. So formt sich allmählich unsere Persönlichkeit.

Grenzen sind nötig für unsere Entwicklung

Während wir uns entfalten und in einigen Bereichen beginnen, nach Meisterschaft zu streben, kommt allerdings irgendwann der Moment, an dem der Fluss ins Stocken gerät und wir nicht gleich weiter kommen. Wir stecken eine Weile fest, weil wir entweder eine bestimmte Sonate nicht hinbekommen oder eine bestimmte Schlagtechnik nicht ausführen können. Je nach Zeit und Aufwand erleben wir irgendwann das Gefühl der Frustration und fragen uns, ob es Sinn macht, dran zu bleiben oder nicht. Möglicherweise kommen Zweifel auf und man benötigt Bedenkzeit.

Bei einigen dauern solche Phasen nicht lange. Sie klemmen sich dahinter und lösen das Problem, egal, wie lange es dauert oder sie schließen damit ab und wenden sich etwas neuem zu. Einige jedoch hadern verdammt lange mit sich und können entweder einfach nicht davon ablassen oder geben schließlich irgendwann auf. Sie akzeptieren ihre gefundenen Grenzen und die damit verbundenen Konsequenzen.

In dem Moment, in dem Menschen an ihre Grenzen stoßen, zeigt sich aus welchem Holz sie geschnitzt sind. Ob sie den Willen und auch die Fähigkeit besitzen, sich weiter zu entwickeln und über sich hinauszuwachsen oder, ob sie stagnieren.

Denn, wenn wir unseren Grenzen begegnen haben wir nur die Wahl zwischen zwei Optionen: Entweder wir versuchen sie zu überwinden, oder aber wir stecken zurück und bleiben auf einer bestimmten Stufe stehen. So zeigt sich, wer im Leben auch die schweren Hürden meistern will und wer es sich lieber einfach macht.

Wer sich entwickeln will, versucht Hindernisse zu überwinden

Es gilt, folgendes nicht außer Acht zu lassen: Wir alle kommen mit Talenten und Begabungen auf die Welt und je nach den Voraussetzungen haben wir bessere oder schlechtere Möglichkeiten, diese zu entwickeln. Davon ausgehend, dass halbwegs ideale Bedingungen vorherrschen, muss man sich im Klaren über etwas ganz Wesentliches sein: Egal, wie begabt oder talentiert man auf einem Gebiet ist, früher oder später und auch nicht nur einmal stößt man immer wieder an Punkte, wo man nicht ohne weiteres weiter kommt und härter als sonst arbeiten muss, um eine Fertigkeit zu beherrschen oder ein gewisses Niveau zu erreichen. Kaum ein Schauspieler, Profi-Sportler, Sänger oder Forscher hat nicht schlaflose Nächte zugebracht oder mit sich gerungen, um nagende Selbstzweifel zu überwinden.

Selbstzweifel und Hürden zu überwinden bedürfen einer gewissen persönlichen Stärke, die man nur erwirbt, wenn man es sich nicht leicht macht, sondern bereit ist, sich den Hindernissen zu stellen.

Wer sich nur entfalten will, kommt nicht zwingend weiter

Menschen dagegen, die es gewohnt sind, Erfolg zu haben und nie gelernt haben, Niederlagen einzustecken, werden bei der Begegnung mit ihren Grenzen ziemlich schnell das Handtuch werfen. Sie sind es nicht gewohnt, für etwas Zeit und Mühe zu investieren und neigen dann zu der Haltung, im bisher erworbenen Raum zu bleiben und sich anderen Dingen zuzuwenden. Dadurch besteht die Gefahr, dass sie bei Problemen ziemlich schnell das Weite suchen und einfach auf andere Themen ausweichen. So fehlt es ihnen an Beharrlichkeit, was sich auch auf ihr weiteres Leben auswirken wird.

Sicher gibt es auch Situationen, in denen es berechtigt ist, mit etwas aufzuhören und sich neuem zuzuwenden. Irgendwann ist die Mühe die Zeit nicht mehr wert oder der mögliche Erfolg lohnt die investierte Arbeit nicht mehr. Bis zu diesem Punkt hat man dann aber auch schon etwas geschafft, auf das man zurück blicken und froh sein kann.

Jeder, der etwas im Leben erreichen möchte, das Hand und Fuß hat und nennenswert ist, weiß, dass dazu auch Schweiß und Tränen gehören. Auch Selbstzweifel und Unsicherheit zu hegen sind völlig in Ordnung. Zum einen wächst kaum einer von uns unter idealen Bedingungen auf, zum anderen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wenn wir jedoch vor einer Herausforderung stehen, sollten wir uns gut überlegen, ob es gute Gründe dafür gibt, sich ihr nicht zu stellen. Das Leben besteht aus Herausforderungen und unsere Seele strebt nach Weiterentwicklung und Wachstum.

Wenn wir also eine Entscheidung treffen müssen, sollten wir uns fragen: Bringt mich diese Entscheidung in meiner Entwicklung voran, stagniere ich oder falle ich gar zurück? Es sollte auf der Hand liegen, was für uns oberste Priorität haben sollte.

Es gibt Menschen, die sich vor einer Herausforderung drücken und dies damit begründen, dass sie in der Vergangenheit nicht ausreichend gefördert wurden. Wie schon erwähnt, wächst kaum ein Mensch unter perfekten Bedingungen auf. Allerdings hat man als Erwachsener selbst die Chance, die Defizite, wenn es denn welche sind, zu beheben. Mit dieser Begründung gibt man nur die Verantwortung ab und entzieht sich der Notwendigkeit, selbst handeln zu müssen.
Nur, wenn wir an Grenzen stoßen, entwickeln und entdecken wir weitere Fähigkeiten in uns, die uns helfen, letztere zu überwinden. Nur so erforschen wir uns selbst und erwerben so mehr Kompetenz in unserer Persönlichkeit.

Alles Liebe

Sayeda

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