Das Enneagramm

9 Spiegel Deiner Seele

9 Spiegel Deiner Seele

Wir alle beurteilen unsere Umwelt ohne Unterlass. Wir nehmen die Umwelt nicht nur wahr. Wir vergleichen und setzen somit alles in eine Beziehung zueinander. An welchen Konstrukten wir den Vergleich aufhängen, hängt davon ab, welche Werte wir als für uns richtig erkannt haben. Daran machen wir fest, ob eine bestimmte Wahrnehmung, also beispielsweise ein Verhalten von unserer Seite Zustimmung erfährt oder abgelehnt wird.

Diesen Wertmaßstab legen wir auch an anderen Menschen an.

Beobachte gerne einmal Dein Verhalten, wenn Du Dich in ein Straßencafé setzt. Nimm Dir ganz bewusst einmal keine Zeitschrift zur Hand, sondern schau hinaus auf die Straße und lass Deinen Gedanken freien Lauf. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wirst Du feststellen, dass Du nicht nur Zuschauer der Szenerie bist, sondern Deine Eindrücke laufend einer Bewertung unterliegen. Kein Passant schlendert vorbei, ohne dass Dein Geist eine Schublade dafür aufmacht. Und wenn es nur die Kategorie „Gefällt mir“ oder „Gefällt mir nicht“ ist.

Die Beurteilung findet statt und daraus ergibt sich eine Menge von Problemen, denn gerade durch diese Beurteilung werden Konflikte geschaffen.

Jede Beurteilung ist eine Aussage darüber, inwieweit eine Situation oder ein Mensch in unsere Persönlichkeits-Schablone passt. Und hier setzt das Enneagramm an. Das Enneagramm versucht mit Hilfe von 9 Kategorien bestimmte Schablonen, oder nennen wir es Beurteilungsmuster von Menschen aufzuzeigen. Ziel des Enneagramms ist es, durch das Wissen um eigene Verhaltensweisen, diese letzten Endes zu durchbrechen.

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Das Enneagramm fördert das Verständnis eigener Strukturen, lässt uns erfahren, wieso wir eine Situation so beurteilen, wie wir es tun und ermöglicht es uns, Verhaltensweisen Dritter besser zu verstehen und als gleichwertig akzeptieren zu lernen.

Das wiederum fördert unser spirituelles Wachstum und führt uns immer mehr zu dem, was wir wirklich sind.

Der Begriff „Enneagramm“ stammt aus dem Griechischen. „ennea“ steht für „neun“ und „gramma“ für „Modell“. Das Enneagramm ist somit ein Modell, das mit Hilfe von 9 Kategorien die Persönlichkeitsmuster von Menschen beschreibt.

In der Psychologie kennen wir eine Vielzahl von Persönlichkeitsmodellen und wie Du vielleicht weißt, ist es mit Modellen immer so eine Sache. Modelle versuchen die Realität zu beschreiben. Realität zu klassifizieren. Sie sind damit aber auch immer eine Krux, denn sie hinken der Realität hinterher.

Modelle sind Schubladen, die uns helfen sollen, die Komplexität der Realität etwas besser greifen zu können. Strukturen zu verstehen um letzten Endes mit der Realität besser umgehen zu können.

Man darf jedoch nie vergessen, dass sie nicht 1 zu 1 der Realität entsprechen.

9 verschiedene Persönlichkeitsmuster des Enneagramms

Das Enneagramm unterscheidet also 9 verschiedene Persönlichkeitsmuster. Weiterhin beschreibt es die Beziehungen der einzelnen Persönlichkeitsmuster zueinander.

Machen wir es konkreter. Jeder Mensch hat dominante Persönlichkeitsmuster. Beim Einen ist das Streben nach Macht ausgeprägter, der Antrieb des Anderen ist vom Grundgedanken der Fairness geprägt.

Je nachdem, wie Deine Persönlichkeitsstruktur beschaffen und ausgeprägt ist, wirst Du beim gerade Gesagten eine unbewusste Beurteilung vorgenommen haben. Gerade dann, wenn Du die Werte „Spiritualität und Fairness“ teilst, gibt es eine Tendenz, dass du Macht-Verhalten ablehnst. Das sollte ein erster Hinweis darauf sein, wie stark Deine Persönlichkeit von diesem Muster geprägt wird.

Vielleicht denkst Du noch, dass Dein Persönlichkeitsmuster das Überlegene ist. Gerade dann, wenn es gesellschaftlich anerkannt ist, neigen wir gerne zu dieser Annahme.

Doch denke einmal kurz darüber nach, wie eine nach Macht strebende Person Ihr Persönlichkeitsmuster wahrnehmen wird.

Gibt es da eine Wahrscheinlichkeit, dass diese von der Richtigkeit Ihrer Persönlichkeitsstruktur ähnlich stark überzeugt ist, wie Du selbst?

Das Enneagramm beschreibt 9 verschiedene Persönlichkeitsmuster. Sicherlich gibt es mehr, als diese 9. Aber ein Modell besticht ja auch dadurch, dass es Übersicht über die extrem komplexe Realität bietet. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wirst Du feststellen, dass sich Deine Bekannten, aber auch Du selbst in diesen 9 Persönlichkeitsqualitäten wiederfinden wirst.

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Stell Dir einmal die Frage, was es bedeuten würde, wenn wir alle, die wir uns als so individuell betrachten, in diesen 9 Typen wiederfinden würden.

Was würde das für Dich bedeuten? Hätte das eine Qualität von „Aufwachen“. Eine Qualität von Erkenntnis, dass wir alle weitaus weniger einzigartig sind, als wir es bisher dachten.

Eine Erkenntnis, dass wir völlig unbewusst Pfade verfolgen, von denen wir dachten, dass es ausschließlich die unseren sind, diese jedoch von vorangegangenen Generationen in nahezu identischer Weise schon vielfach begangen wurden?

Das wir Standpunkte vertreten, die nicht unsere eigenen sind? Standpunkte die lediglich, aus diesen 9 Typenbildern heraus resultieren?

Das Enneagramm macht uns vieles deutlich. Es hält uns den Spiegel vor, wie wir agieren und es zeigt uns auf, dass viele Menschen, genau das gleiche Programm verfolgen wie wir selbst.

Das Wissen um diese Programme hilft uns jedoch, uns kritisch von außen zu hinterfragen, sobald wir merken, dass wir wieder in das alte Programm gefallen sind.

Und das Enneagramm ist auch in der Lage Gegensätze zu überwinden.

Alleine das Verständnis, dass jedes Persönlichkeitsmuster die gleiche Daseinsberechtigung hat und genauso gut oder schlecht ist, wie jedes andere, ermöglicht es Dir, bereits einen wesentlichen Schritt nach vorne in Deiner Entwicklung zu machen. Einen Schritt hin zu einem friedvollen und ausgeglichenen Leben.

Das Enneagramm bedient sich eines neunspitzigen, grafischen Symbols, innerhalb eines Kreises, das für neun Persönlichkeitsqualitäten steht.

Das Symbol des Enneagramms wird durch zwei geometrische Figuren innerhalb eines Kreises repräsentiert. Ein gleichseitiges Dreieck, dass die Persönlichkeitstypen 3, 6 und 9 abbildet und eine Sechseck, das die Typen 1, 4, 2, 8 und 7 darstellt.

Somit ergibt sich eine neuneckige Figur, deren Eckpunkte auf der Kreislinie ruhen.

Geschichtlich, ist die Herkunft des Enneagramms nicht genau nachzuweisen. Es gibt Quellen, die die Ursprünge im Sufismus sehen und diese somit der islamischen Mystik zuweisen. Andere Quellen verweisen auf die Lehre der Entwicklungsstufen des christlichen Mystikers Evagrius Ponticus aus dem 4. Jahrhundert nach Christus.

Doch ganz egal, welcher Theorie man folgen möchte, eines kann mit Sicherheit gesagt werden: Dieses Modell der Typenlehre weist eine über 1000-jährige Entwicklungsgeschichte auf.

Bevor wir uns die einzelnen Persönlichkeitstypen näher ansehen, möchte ich die Tiefendimension des Enneagramms näher beleuchten, die den 9 Persönlichkeitstypen zu Grunde liegen.

Das Enneagramm unterscheidet drei Tiefendimensionen des Mensch-Seins. Darunter wird die Art und Weise verstanden, wie Menschen Ihre Umwelt und ihre Mitmenschen prioritär wahrnehmen.

Da sind also zuerst einmal die Menschen, bei denen der Kopf, also der Verstand, oder das Ratio bei Entscheidungen überwiegt. Zweitens, Herzensmenschen, deren Handeln und Wahrnehmung stark von ihren Emotionen geprägt ist und drittens instinktgeprägte Menschen, die sich bei Entscheidungen, aber auch bei der Beurteilung von Situationen sehr stark auf ihr Bauchgefühl und ihre Intuition verlassen.

Die 9 Persönlichkeitstypen basieren somit auf diesen 3 Tiefendimensionen. Man könnte auch sagen: Jeweils 3 Persönlichkeitstypen können somit einer Tiefendimension, auch Triade genannt, zugeordnet werden.

Je nachdem, welcher Triade Du Dich zugehörig fühlst, dominieren bestimmte Körperfunktionen dein Leben.

Bei Herzensmenschen, ist das logischerweise das Herz-/Kreislaufsystem, bei Kopfmenschen dominieren das Gehirn und das Zentralnervensystem und bei instinktgeprägten Menschen nimmt der Verdauungstrakt und der Solarplexus eine herausragende Bedeutung und Rolle ein.

Auch relevante Lebensthemen können bereits auf dieser Ebene zugeordnet werden.

So drehen sich Lebensthemen instinktgeprägter Menschen um Gerechtigkeit, Fairness, aber auch Macht und Aggression. Emotionale Menschen beschäftigen sich mit Themen rund um Beziehung, Beurteilung und Prestige und der Denker findet Gefallen an Kontroll- und Ordnungsthemen.

Aufbauend auf diesen 3 Grundqualitäten, werden dann jeweils 3 weitere Persönlichkeitstypen unterschieden, aus denen sich letzten Endes das Enneagramm zusammensetzt.

Halten wir noch einmal fest: Die Triaden unterteilen den Kreis des Enneagramms in 3 gleichgroße Teilbereiche. Diese entsprechen der Instinkttriade, der Gefühlstriade und der Denktriade.

Und jeder dieser Triaden sind wiederum 3 Persönlichkeitstypen zugeordnet, so dass sich aus 3 Triaden mal 3 Persönlichkeitstypen, die 9 Persönlichkeitsqualitäten des Enneagramms ergeben.

Jeder Persönlichkeitstyp weist bestimmte Fixierungen auf. Damit sind Themen und Trigger gemeint, auf die er in besonderem Maße anspricht. Werte, Normen und Verhaltensweisen, für die dieser Typus Mensch einsteht und die er verfolgt.

Kannst du dir vorstellen, dass diese Erkenntnis Dein Leben verändern kann?

Versuch dir für einen Moment ins Gedächtnis zu rufen, bei welchen Normen, Werten, Themen und Triggern du persönlich reagierst.
Die Reaktion kann in Form von Freude, liebevollen Gefühlen, Anteilnahme, aber auch durch Hass, Wut oder Zorn zum Ausdruck gebracht werden. Eine andere Strategie wäre ein angepasstes, unterordnendes oder vermeidendes Verhalten. sobald bestimmte Werte getriggert werden.

Vielleicht stellst Du fest, dass es bestimmte Themen in Deinem Leben gibt, die Dir besonders wichtig sind. Für die Du einstehst und die du verteidigst. Das sind bereits erste Hinweise auf Deine Persönlichkeitsstruktur.

Denk darüber nach.

Bevor wir nun die Charakteristiken der neun Persönlichkeitstypen erläutern, bauen wir das System des Enneagramms über die Symbolik Schritt für Schritt auf.

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Beginnen wir beim Dreieck.

Die Ecken des Dreiecks innerhalb des Kreises repräsentierend die Persönlichkeitstypen 6, 9 und 3. Ganz oben im Kreis ist die 9. Diese stellt die Spitze des Dreiecks dar. Links unten die 6 und rechts unten die 3. Diese 3 Enneagramm-Typen liegen wiederum im Mittelpunkt der Triaden Instinkt, Emotion und Denken.

Jeder Persönlichkeitstyp 1 bis 9 weist wiederum auch Eigenschaften eines seiner direkten Nachbarn auf.
So liegen neben dem Persönlichkeitstyp 3, der Typ 2 und 4.

Wenn eine Person mit dem Persönlichkeitstyp 3 auch Ausprägungen des Typs 4 aufweist, spricht man vom sogenannten „Flügel“ oder im Englischen auch von „Wing“.

In diesem Fall würde man sagen, dass wir es mit einem Persönlichkeitstyp 3 mit 4er-Flügel zu tun haben.

Um den Überblick zu behalten, betrachten wir Schritt für Schritt jeweils die 3 Persönlichkeitstypen der zu Grunde liegenden Triade, bis wir letzten Endes einen kurzen Abriss aller 9 Typen des Enneagramms gezeichnet haben.

In der Instinkt-Triade, die die Enneagramm-Typen 8, 9 und 1 beinhaltet, dominiert bildlich gesprochen der Bauchmensch.

Dieser vereint in der 8 den Boss-Typus (mit der Kernaussage: „Ich bin stark“), in der 9 den Vermittler (mit der Kernaussage: „Ich bin zufrieden“) und in der 1 den Perfektionisten (mit der Kernaussage: „Ich habe Recht“).

Boss-Typen, also Menschen vom Enneagramm Typ 8 verfolgen klare Ziele. Sie sind in der Lage zu abstrahieren um Komplexität zu minimieren. Das hat jedoch zur Folge, dass sie Ihre Umwelt gerne in schwarz und weiß einteilen. Eine Folge davon kann die Einteilung ihrer Mitmenschen in die Kategorien „Feind“ oder „Freund“ sein. Diese Wahrnehmung kann schnell dazu führen, dass das Leben als Kampf um den Erhalt der eigenen Vormachtstellung gesehen wird.
Um das eigene Weltbild aufrechterhalten zu können, neigen Achter gerne dazu, weltbildgefährdende Erkenntnisse schlichtweg zu verleugnen. Eine Weiterentwicklung des Achters ist nur dann möglich, wenn er sich seiner eigenen Schwächen bewusst wird und diese auch akzeptiert in dem er zu Kompromissen bereit ist.

Der Vermittler-Typus, also Menschen vom Typ 9, sind stark harmoniebedürftig. Konflikte werden durch ein empathisches Vorgehen weitgehend vermieden. Oft wirken 9er demütig und sich unterordnend. Sie vermitteln in Konflikten und versuchen allen Meinungen gerecht zu werden und im Rahmen eines Kompromisses ausreichend zu berücksichtigen. Die Harmoniesucht kann dazu führen, dass eigene Positionen, nicht ausreichend stark nach außen vertreten werden.
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint, so ist das ausschlaggebende Moment für dieses Verhalten, die Trägheit der Neun. Konflikte werden weitgehend vermieden. Hierin liegt aber auch das Potential für Entwicklung. Sobald 9er ihre eigenen Ziele erkennen und diese nach außen in angemessener Weise vertreten, entwickelt sich die 9 zu einer reifen und erlösten Persönlichkeit.

Der Perfektionist, also Menschen vom Typ 1, sind auf der Suche nach Vollkommenheit. Das kann der Umwelt einiges abverlangen, da sich die unerlöste Eins oft in Kleinigkeiten und Rechthaberei verliert. Die Eins hat moralisch hochstehende Ziele. Einser verkörpern Fairness und Gerechtigkeitssinn und werden von außen nicht selten als Moralapostel gesehen.

Unter ihrem Perfektionismus und ihrer starken Angst, Fehler zu machen, leidet jedoch ihre Spontanität. Einser neigen dazu, nicht nur sich selbst, sondern auch andere an Hand ihrer moralischen Maßstäbe zu beurteilen. Sie sehen sich selbst als Weltverbesserer, dabei sind ihre hochgesteckten Ziele jedoch meist nicht erreichbar. Ihre Wahrnehmung ist fehlerfokussiert.

Den Zorn, der in ihnen schlummert, der sie aber auch antreibt, sehen sie jedoch als Fehler, der ihren Perfektionsanspruch absolut zuwider läuft. Nach Meinung der Einser, darf dieser Zorn keinesfalls nach außen treten. Der Einser ist somit auf der Suche nach einem akzeptierbaren Ablassventil, um seinen Zorn in gelenkte Bahnen zu leiten. Das kann sich beispielsweise in Arbeitswut oder übertriebenen sportlichen Ambitionen zeigen. Der Zorn richtet sich also letzten Endes gegen die eigene Person. Der Einser darf somit lernen, seinen Zorn anzunehmen, angemessen auszuleben und die Gründe für den Zorn zu hinterfragen. Und er darf die Leichtigkeit des Seins in sein Leben einladen.
Je mehr er lernt, dass nicht alles durch Fleiß, Genauigkeit und Ordnungsliebe zu erreichen ist, desto mehr wird er frei von seiner Fixation.

Betrachten wir die Gefühlstriade.

In der Gefühls-Triade, die die Enneagramm-Typen 2, 3 und 4 beinhaltet, dominiert bildlich gesprochen der Herzens-Mensch.

Dieser vereint in der 2 den Geber (mit der Kernaussage: „Ich möchte helfen“), in der 3 den Dynamiker (mit der Kernaussage: „Ich habe Erfolg“) und in der 4 den Romantiker (mit der Kernaussage: „Ich bin anders“).

Geber-Typen, also Menschen vom Typ 2, fühlen sich wohl, wenn sie gebraucht werden. Sie sind Beziehungsmenschen und haben für die Sorgen und Nöte ihrer Bekannten stets ein offenes Ohr. Sie vereint die Fähigkeit, sich voller Empathie auf die Bedürfnisse Ihrer Nächsten einlassen zu können. Grundantrieb ihres Handelns, ist der Wunsch geliebt zu werden. Zweier geben sich fast auf, um Dankbarkeit erfahren zu dürfen. Wenn diese Dankbarkeit verweigert wird, reagieren Zweier mit Liebesentzug, um letzten Endes doch wieder alles zu tun, um die Abhängigkeit der Zielpersonen ihres Samaritertums aufrecht zu erhalten.
Hinter der Sucht nach Anerkennung versteckt sich das Bedürfnis wichtig zu sein. Sich selbst als wichtig zu empfinden. Es ist die Suche des Egos nach Relevanz. Antrieb des Zweiers ist somit sein Stolz. Er möchte gebraucht werden und dafür auch die Lorbeeren ernten. Dass er selbst hilfsbedürftig ist, kaschiert er durch seine aufopferungsvolle Rolle für seine Nächsten. Die Akzeptanz dieser Hilfsbedürftigkeit bietet Zweiern jedoch die Möglichkeit in ein neues Rollenverständnis hinein zu reifen. Wenn er es dann noch schafft, sich von seinem Stolz loszusagen, wird er seine fürsorgliche Ader ohne manipulative, beherrschende Tendenzen tatsächlich Dankbarkeit erfahren dürfen.

Dynamikern, also Menschen vom Typ 3, ist es besonders wichtig, gut bei ihren Mitmenschen anzukommen. Sie sind Erfolgsmenschen, die für ihre Leistung bewundert werden wollen. In prestigeversprechenden Aufgaben gehen sie mit Haut und Haar auf und verfolgen diese mit großer Vehemenz. Bleiben der Erfolg und auch die damit verbundene Anerkennung längere Zeit aus, wechseln sie die Aufgabe. Der Dreier ist ein Chamäleon. Er ist äußerst wandlungsfähig. Es ist nebensächlich, ob die neue Aufgabe, seinen innersten Werten entspricht, solange sie Prestige verheißt. Um Ziele zu erreichen, setzen sie auch gerne ihre schauspielerischen Fähigkeiten ein.

Das täuscht oft darüber hinweg, dass andere Menschen von ihnen eher als Erfüllungsgehilfen gesehen werden. Scheitert ein Projekt, an dem sie federführend beteiligt waren, wird der Grund des Misserfolgs eher bei anderen Menschen gesehen. Der Dreier ist Meister der Täuschung. Das verwundert nicht weiter, da die hohe Anpassungsfähigkeit des Dreiers diese Kompetenz fast zwangsweise mit sich bringt. Doch am meisten täuscht er sich selbst. Mit seinen Schwächen möchte er nicht konfrontiert werden. Vorhandene Schwächen versucht er durch noch höhere Kraftanstrengungen auszugleichen. Das hat zur Folge, dass Dreier fast ständig unter Strom stehen. Veränderungen werden meist erst im Zusammenhang mit dem eigenen Scheitern gemacht. Oft ist es so, dass der Dreier in voller Fahrt gegen die Wand fahren muss, um sein Schwächen auch wirklich wahrzunehmen. Gerade Dreier neigen deshalb auch zu Burnout und Stressfolgekrankheiten.

Der Romantiker, also Menschen vom Typ 4, sind auf der Suche nach sich selbst. Sie sind Melancholiker, die eine unbestimmte Sehnsucht antreibt, die sie nach dem Sinn des Lebens forschen lässt. Eine gewisse Erfüllung finden Vierer in der Kreativität. So verwundert es nicht, dass dieser Typus häufig bei Künstlern anzutreffen ist. In der Kunst alleine ist es möglich, diese nicht näher zu bestimmende Sehnsucht auszudrücken. Vierer konzentrieren sich aber nicht nur auf ihre Gefühlswelt. Auch sie behalten ihre Umwelt im Blick. Im Gegensatz zu den Persönlichkeitstypen Zwei und Drei dient diese Außenorientierung jedoch der eigenen Abgrenzung. Vierer wollen als etwas Besonderes wahrgenommen werden. Als Non-Konformisten.
Der Antrieb des Vierers ist der Neid. Einerseits wollen sie so gänzlich anders als die Masse sein. Andererseits zieht sie das scheinbar einfachere Leben der Anderen fast magisch an. Diese Zerrissenheit führt auch dazu, dass sie sich als Außenseiter wahrnehmen und sich letzten Endes unvollständig fühlen.
Erlösung findet der Vierer indem er sich der Realität des Alltages zuwendet, in dem er sich traut mit dem kleinen Glück vorlieb zu nehmen. Dabei darf er sich immer wieder fragen, ob der Spatz in der Hand unter Umständen doch erstrebenswerter ist, als die unerreichbare Taube auf dem Dach.

In der Denk-Triade, die die Enneagramm-Typen 5, 6 und 7 beinhaltet, dominiert der kognitiv urteilende Mensch.

Dieser vereint in der 5 den Beobachter (mit der Kernaussage: „Ich blicke durch“), in der 6 den Pflichtbewussten (mit der Kernaussage: „Ich tue meine Pflicht“) und in der 7 den Epikureer (mit der Kernaussage: „Ich bin glücklich“).

Der Beobachter, also Menschen vom Typus 5, gelten als exzentrisch, eigenbrötlerisch und nihilistisch. Fünfer gehen auf Distanz zu ihrer Umwelt. Emotionale Nähe, aber auch emotionale Erfahrungen versuchen sie weitgehend zu vermeiden. Schnell schaltet sich dann der analytische Sachverstand ein, der emotionale Erfahrungen kurzum in ein Gedankengebäude verwandelt.

Gerne zieht sich der Fünfer in seinen Elfenbeinturm zurück, um dort an seinen Gedankengebäuden zu bauen. Den Austausch mit der Umwelt sucht er vor allem dann, wenn er neuen Input benötigt. Diese kognitiven Konstrukte bieten ihm scheinbaren Schutz vor emotionalen Erfahrungen, die er um jeden Preis vermeiden möchte. Der Fünfer ist ein Sammler. Ein Sammler von Informationen, aber auch oft von Gegenständen. Was er hat, lässt er ungern los. Ganz egal ob es sich um seine Vorstellung von Welt, oder seine Besitztümer handelt.

Geiz ist somit der Antrieb, der den Fünfer in seinen eingefahren Bahnen hält.
Erlösung findet der Fünfer erst dann, wenn er sich auch von emotionalen aber auch sinnlichen Erfahrungen berühren und mitreißen lässt. Auch darf er einen Bezug zu seinem Körper und der Sexualität aufbauen.

Der Pflichtbewusste, also Menschen vom Typ 6, ist auf der Suche nach Sicherheit, die er in sich selbst so nicht finden kann. Äußere Strukturen scheinen ihm diese Sicherheit zu bieten.
Das ist auch der Grund, wieso gerade Sechser sich gerne an Gesetzen, Normen und Werten orientieren. Klare Zielvorgaben von außen setzen ihnen Grenzen. Diese Grenzen verheißen ihnen Sicherheit. Leider sind Strukturen auch meist mit Autoritäten verknüpft. Diese werden vom Sechser jedoch grundsätzlich kritisch bewertet. Was folgt ist eine Gratwanderung zwischen Loyalität und Misstrauen.
Sechser streben also nach einer sicheren Position in einem System. Doch auch dann, wenn sie diese Position bekleiden, bleibt das dominierende Gefühl die Verlustangst.

Diese Angst vor Veränderung, die Angst das bislang Erreichte plötzlich zu verlieren, erzeugt zwei widerstreitende Pole innerhalb der Sechs.

Das kann zu übertriebener Anpassungsbereitschaft führen, andererseits aber auch zum Sprung ins kalte Wasser. Ziel ist es, die gefühlte Unsicherheit auf irgendeine Weise schnellstmöglich hinter sich zu lassen.
Der Antrieb des Sechsers ist somit die Angst. Wo andere im Alltag noch eitel Sonnenschein sehen, identifiziert der Sechser bereits erste Anzeichen für den Weltuntergang. Schon kleinste Indizien reichen aus, um angsterfüllte Projektionen hervorzurufen. Das führt dazu, dass die gewünschte Sicherheit in weite Ferne rückt.

Befreiung erfährt die Sechs, in dem sie ihren eigenen Fähigkeiten mehr und mehr Vertrauen schenkt. Selbstvertrauen führt zu mehr Autonomie. Autonomie wiederum ermöglicht es ihr, Autoritäten und Strukturen hinter sich zu lassen.

Der Epikureer, als Menschen vom Typ 7, ist auf der Suche nach Genuss. Sein Leben dreht sich primär darum, wie dieser Genuss maßgeblich gesteigert werden kann. Doch kein Genuss, kein freudvolles Erlebnis kann groß genug sein, um im Hinterkopf nicht schon auf der Suche nach dem nächsten verheißungsvollen Moment zu sein. Der Siebener ist auf der Suche nach Abenteuer, Leichtigkeit und Erlebnissen. Dabei agiert er wie ein Kind. Begeisterungsfähig und voller Tatendrang. Er sieht vor allem die Möglichkeiten, die ihm das Leben bietet. Seine Begeisterungsfähigkeit überträgt sich nicht selten auch auf sein Umfeld.

Seine Suche nach immer neuen Erlebnissen ist es dann aber auch, die diesen Typus ruhelos machen.
Sein Antrieb ist die Sucht und Unersättlichkeit, die durch die Angst geschürt wird, ein Leben der Belanglosigkeit führen zu müssen. Ein Leben ohne Höhepunkte und Eindrücke. Befreiung erfährt der Siebener, indem er sein Leben entschleunigt, um Momente wieder bewusster wahrzunehmen. Letzten Endes könnte er dadurch erfahren, dass das Ruhen in sich selbst, den wahren Genuss für ihn bereithält.

Du hast nun alle 9 Fixierungen des Enneagramms kennengelernt. Vielleicht ist es Dir auch bereits gelungen festzustellen, welche Fixierungen bei Dir vorherrschen. Denke bitte daran, dass keine Fixierung besser oder schlechter ist. Jeder Persönlichkeitstyp kann seine Fixierungen transzendieren. Wir unterscheiden dabei 3 Entwicklungsstufen. Die unerlöste, die normale und die erlöste Entwicklungsstufe. Und hier offenbart sich auch der praktische Nutzen des Enneagramms. Alleine durch die Kenntnis der Persönlichkeitstypen wirst du von nun an feststellen, wann du in eine bestimmte Fixierung verfällst. Das kann in einer Diskussion der Fall sein, in der Du vehement argumentierst, oder aber auch alleine in der Wahrnehmung einer Situation.

Wie es so schön heißt, ist das Wissen um eigene Verhaltensweisen, die Basis um diese Verhaltensweisen einer Überprüfung zu unterziehen. Das ist kein Pflichtprogramm. Nur wenn Du davon überzeugt bist, dass Dir die Aufgabe bisheriger Fixierungen eine höhere Lebensqualität bieten kann, dann ist das Enneagramm für Dich ein sinnvolles Mittel, die subjektive Dimension Deiner Realität neu wahrzunehmen.

Das dir dies gelingen möge, dass wünsche ich Dir von ganzem Herzen.

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