Die Bedeutung von Geborgenheit

Warum sie so wichtig ist

Geborgenheit gehört zu einer gesunden Basis dazu.

Geborgenheit definiert unsere Kindheit

Mit wieviel Geborgenheit wir als Kinder aufwachsen, hat großen Einfluss darauf, wie wir später die Welt sehen und als Erwachsene ins Leben starten. In den ersten Lebensjahren haben wir das allerdings kaum in der Hand, sondern sind vollkommen auf unsere Eltern angewiesen. Schaffen sie es, ihren Nachwuchs mit Liebe und deutlichen Grenzen großzuziehen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er als Erwachsener ebenfalls später im Leben Erfolg hat. Übertragen Eltern allerdings nur schädliche Muster von ihrer Generation auf die nachfolgende, fällt es den Kindern eher schwer, wirklich Fuß im Leben zu fassen.

Wie genau lässt sich Geborgenheit spüren? Kinder, die mit diesem Gefühl aufwachsen, wissen genau, dass sie von ihren Eltern unvoreingenommen geliebt werden, kennen aber auch genau ihre Grenzen und verhalten sich entsprechend. Außerdem wissen sie, dass ihre Eltern sie stets auffangen, wenn sie in entsprechender Not sind. Kurz gesagt: Sie können sich in einem behaglichen Rahmen ungehindert entfalten. Dadurch lernen sie früh ihre Stärken und Schwächen kennen und können selbst sehr realistisch einschätzen, welcher Weg der adäquateste für sie ist.

Umgekehrt verhält es sich, wenn Kinder mit Kälte, übertriebener Strenge, extremen Ehrgeiz oder viel zu starker Disziplin aufwachsen. So bekommen sie stets das Gefühl vermittelt, nicht gut genug zu sein  und erwerben dadurch nicht gerade das stärkste Selbstbewusstsein. Es ist ihnen quasi von Haus aus nicht mitgegeben worden. Als Erwachsene werden solche Kinder tendenziell viel zu selbstkritisch, wodurch das Selbstvertrauen eher schwach ausgeprägt ist.

Geborgenheit bedeutet also nicht nur, bedingungslos um seiner selbst willen geliebt zu werden, sondern auch von einem Rahmen umgeben zu sein, indem man sich möglichst gut entwickeln kann und seine Stärken und Schwächen erforscht. Sie hat weitreichende Folgen für den weiteren Verlauf des Lebens.

Wenn die Geborgenheit fehlt

Fehlt Menschen jedoch diese Nestwärme, dann ist nicht nur ein mangelndes Selbstbewusstsein die Folge, sondern auch die Unfähigkeit zur Selbstliebe. Wie soll man sich auch selbst akzeptieren, wenn einem die am nächsten stehenden Personen das Gefühl geben, unzureichend zu sein? Und da ein Kind im Grunde ein unbeschriebenes Blatt ist, akzeptiert es die elterliche Autorität und stellt keine Fragen. Erst später, wenn Kontakt zu anderen Menschen besteht und man sieht, wie sich deren Umfeld vom eigenen unterscheidet, beginnt man vielleicht darüber nachzudenken.

Später als Erwachsene sind sie dann mit allerlei Problemen über sich selbst konfrontiert, über die andere Menschen gar nicht nachdenken, weil solche Thematiken niemals Raum bekommen haben. Da sie nicht gelernt haben, sich selbst zu akzeptieren und auf sich zu achten, drücken sich diese Defizite in allen möglichen Varianten aus. Möglicherweise können sie keine langfristigen Beziehungen aufbauen oder halten, sind übergewichtig oder geraten immer wieder an die falschen Menschen. In jedem Fall befinden sie sich in einem Umfeld, wodurch die erworbenen negativen Muster begünstigt werden. Oft brauchen diese Menschen Hilfe, um einen Weg aus dem Sumpf herauszufinden. Denn nur, wenn sie sich ihrer Muster bewusst werden, können sie dagegen vorgehen und sie überwinden.

Wie man für sich selbst Geborgenheit schafft

Es ist also keine Frage, dass der Verlauf der Kindheit großen Einfluss auf das Leben als Erwachsener hat, wohlgemerkt großen nicht entscheidenden! Es gibt genug Menschen, die ihren Kindheitserlebnissen die Verantwortung abgeben und sie als Ausrede dafür hernehmen, nichts erreicht zu haben. Es ist gar nicht anzuzweifeln, dass man aufgrund des ausgeliefert seins als Kind ein starkes Gefühl der Hilflosigkeit verspürt hat und sich nicht zu helfen wusste. Allerdings ist dies keine Entschuldigung dafür, die Verantwortung von sich zu schieben.

Sicher, eine schlechte oder gar eine traumatische Kindheit kann ein ziemlicher Hemmschuh sein für den weiteren Lebensweg, weil es auch innere Hindernisse zu überwinden gilt, aber der springende Punkt ist, dass wir irgendwann auch erwachsen werden und somit nicht mehr den Mustern aus unserer Vergangenheit ausgeliefert sind. Sätze wie „Ich wäre jetzt deutlich erfolgreicher, wäre ich in der Kindheit mehr gefördert worden“, oder „Meine schlechten Erfahrungen in der Kindheit sind die Ursache dafür, dass ich jetzt unglücklich und einsam bin“, sind nichts anderes als Ausflüchte, in die wir Energie investieren, um nicht die Verantwortung für unsere Leben zu übernehmen!

Das klingt jetzt sehr hart, lässt sich aber bei einem aufrichtigen Blick nicht leugnen. Ja, wie unsere Kindheit verlaufen ist, geht nicht spurlos an uns vorüber, aber sie legt unsere Persönlichkeit nicht für immer fest! Dessen muss man sich bewusst sein, bevor man Ausflüchte sucht.

Irgendwann kommt unweigerlich der Tag, ab dem wir für unser Leben verantwortlich sind und es keine Ausflüchte mehr gibt. Das ist aber nichts schlechtes, ganz im Gegenteil das ist die Chance, für uns selbst ein warmes Nest nach unseren Vorstellungen zu schaffen. Als verantwortungsbewusste Erwachsene, haben wir die Möglichkeit, unser inneres Kind in die Arme zu nehmen und so die fehlende Wärme zu geben.

Das eigene Nest bauen

Wenn du also jemand bist, der mit einer schlechten oder leidvollen Kindheit hadert, dann finde einen Weg, dir jetzt den Raum zu schaffen, indem du dich sicher und geborgen fühlst. Frag dich dazu selbst zunächst etwas Einfaches: Welcher Wunsch wurde dir in der Kindheit nicht erfüllt? Eine bestimmte Sportart, oder etwa ein Haustier? Jetzt steht es dir vollkommen frei, dir ersteres auszusuchen und letzteres in dein Leben zu holen. Die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, liegt ebenfalls allein bei dir. Du kannst dich so einrichten, dass du dich wohlfühlst und das letztendliche Resultat wird dein Selbstbewusstsein stärken, weil du dir eine gesunde Basis aus eigener Kraft geschaffen hast.

Es wird immer wieder Momente der Trauer oder des Schmerzes geben, aber indem du die Verantwortung übernimmst, erkennst du zunehmend welche Kraft in dir steckt. Diese Kraft hat dich auch eine schmerzhafte Kindheit überstehen lassen, wodurch du die erlangte Geborgenheit umso mehr zu schätzen wissen wirst.

Wann fängst du also an?

Sayeda

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