Das Streben nach Kontrolle

Was wir uns davon versprechen

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Ein bestimmtes Maß an Kontrolle ist wichtig

Es ist unnötig darüber zu diskutieren, dass ein gewisses Maß an Kontrolle im Leben unablässig ist. Diese ist nötig, um eine gewisse Sicherheit zu haben. Mit Kontrolle ist dabei gemeint, dass man über die wesentlichen Aspekte des Lebens den Überblick hat und entsprechend zu agieren und reagieren weiß, wenn etwas vorfällt. Ein erwachsener Mensch weiß z.B. Bescheid über seinen beruflichen Stand, den Status seiner Versicherungen, seine Wohnverhältnisse und natürlich auch über seine Finanzen. Geschieht etwas unerwartetes, verliert er nicht gleich den Boden unter den Füßen, weil er weiß, welche Aspekte in welchem Fall greifen und wie er darauf zugreifen kann oder muss.

Kontrolle vermittelt also Stabilität und somit das Gefühl einer gewissen Sicherheit, im Notfall nicht allein und hilflos dazustehen.

Dasselbe gilt für Menschen in leitender Position. Da diese nicht nur für den Betrieb, sondern oft zugleich auch für mehrere Menschen Verantwortung tragen. Sie können ihre Position nicht halten oder die damit verbundene Tätigkeit ausüben, wenn sie nicht ein entsprechendes Maß an fundiertem Wissen haben. Z.B. muss er im Krankheitsfall wissen, welche Abteilung zu informieren ist oder an wen er sich wenden muss, wenn der Betriebsablauf nicht einwandfrei gewährleistet ist.

Menschen, die diese Aspekte im Griff haben vermitteln das Gefühl von Sicherheit und Zuverlässigkeit. Man weiß, man kann sich im Notfall an sie wenden, weil diese wissen, was zu tun ist.

Ab wann Kontrolle negativ wird

Allerdings gibt es genug Menschen, deren Wunsch nach Kontrolle zu einem geradezu zwanghaften Drang ausartet. Das lässt sich daran erkennen, dass sie versuchen etwas zu kontrollieren, was nicht kontrolliert werden kann und zum Teil auch nicht kontrolliert werden sollte.
Der Drang zur Kontrolle wird z.B. dann zwanghaft, wenn Eltern nicht im Geringsten die Privatsphäre ihrer Kinder respektieren oder sogar mit Füßen treten. Wenn sie ihnen ständig hinterher telefonieren oder über jeden Aspekt über ihren Kopf hinweg entscheiden, ohne deren Wünsche oder Gedanken miteinzubeziehen oder gar gänzlich missachten.

Ein anderes Beispiel ist das Thema Partnerschaft. Wenn Mann oder Frau aus Eifersucht den Partner vollständig kontrollieren und jeden anderen Menschen vertreibt, weil er ihn allein für sich haben will oder aus Angst, ihn an jemand anderen zu verlieren. Oder bei überhaupt keinen Aktivitäten mehr alleine lässt.

Solche Persönlichkeiten haben tiefsitzende Ängste, die sie auf die Art zu kaschieren oder kompensieren versuchen. Sie haben sich nie mit ihnen auseinandergesetzt oder haben gar zu viel Angst davor und entwickeln dabei Verhaltensmuster, die langfristig eher schädlich oder sogar selbstzerstörerisch für sie sind. Sie halten an der Illusion fest, durch Angst, Wut oder Arroganz Menschen einzuschüchtern und so manipulieren zu können. So hoffen sie, der Einsamkeit zu entfliehen oder Macht auszuüben.

Dies ist jedoch lediglich Illusion. Denn irgendwann beginnen Menschen früher oder später sich der Kontrolle zu entziehen, weil sie den Kontrolleur durchschauen und sich selbst weiter entwickeln. Kinder befreien sich von ihren Eltern, indem sie den Kontakt abbrechen und der eingeengte Partner wird sich früher oder später aus der Beziehung lösen, weil er sich mehr Freiraum für sich wünscht.

Was Kontrolle aufgeben wirklich bedeutet

Es ist also vollkommen sinnlos, andere Menschen kontrollieren zu wollen. Über kurz oder lang löst sich die Situation auf, weil eigenständige Menschen das nicht auf Dauer für sich akzeptieren und das ist auch völlig richtig so.

Langfristig kommt man nicht drum herum, einzusehen, dass man eben nicht alles kontrollieren kann. Für viele Menschen ist das jedoch sehr schwer, weil sie nur schwer mit dem Machtverlust zurechtkommen, der mit der Aufgabe der Kontrolle einhergeht. Letztendlich bleibt ihnen aber nichts anderes übrig, als sich mit ihren Ängsten und Unsicherheiten auseinanderzusetzen.

Denn erst, wenn sie sich diese eingestehen und offen über ihre Ängste reden, beginnen sie damit, sich ihrer bewusst zu werden und dann allmählich von ihnen zu befreien. Die Betroffenen müssen lernen, dass es in Ordnung ist, Ängste und Unsicherheiten zu haben. Kaum ein Mensch ist frei davon. Wichtig ist jedoch, wie man mit ihnen umgeht. Wir können nicht über andere bestimmen, aber darüber wie wir auf bestimmte Situationen oder Personen reagieren. Dazu bedarf es aber auch Arbeit an sich selbst, um sich der innewohnenden Muster bewusst zu werden.

Menschen, die alles kontrollieren möchten, haben entweder ein negatives Selbstwertgefühl, kein Vertrauen zu sich selbst und/oder anderen oder schlicht nicht gelernt, souverän mit ihren Ängsten umzugehen. Das lässt sich aber beheben, wenn man bereit ist, sich darum zu bemühen.

Letztendlich haben wir nur Kontrolle über uns und unser eigenes Leben. Alles andere ist eine selbst erschaffene Illusion, um Unzulänglichkeiten zu kaschieren. In bestimmten Dingen behält man tatsächlich die Kontrolle, wenn man sie aufgibt. Mit genügend Vertrauen zu sich selbst entsteht eine Gelassenheit, die einem dazu verhilft, souverän mit Überraschungen oder Schicksalsschlägen umzugehen.

Im ersten Moment mag ein Gefühl von Hilflosigkeit aufkommen, wenn wir erkennen, dass wir keinen Einfluss auf das Leben haben. Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass wir frei in unseren Entscheidungen sind und so die Chance haben, das Beste aus unserem Leben zu machen. Sich an das Bedürfnis nach Kontrolle zu binden schränkt uns nur selbst ein, weil wir uns so von unseren wahren Wünschen und Zielen immer mehr entfernen und am Ende nichts Handfestes schaffen.

Es ist nicht leicht, sich von seinen Ängsten zu befreien, aber das erworbene Vertrauen in sich selbst und auch zu anderen vermittelt uns erst die Freiheit, unser Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten.

Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

Alles Liebe

Sayeda

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