Aus der Reihe tanzen?

Es ist okay, anders zu sein, man muss es nur herausfinden.

Wenn man nicht hineinpasst

Beobachtet man in Kindergärten oder Schulklassen wie Kinder miteinander umgehen, kommt es manchmal vor, dass ein oder zwei aus der Menge herausstechen. Entweder werden diese Kinder ausgegrenzt oder, wenn sie älter sind, schließen sie sich oft selbst aus und beschäftigen sich mit sich selbst. Befragt man beide Seiten, weshalb man nicht den Jungen oder das Mädchen mit zum Spielen nimmt, antworten die Grundschulkinder oft folgendes: „Mit ihr/ihm wollen wir nicht spielen. Er/Sie ist komisch.“ Handelt es sich um Jugendliche, die man darauf anspricht, lautet die Antwort sehr oft: „Wir haben so nichts gegen sie, aber wir finden keinen Draht zu ihm/ihr.“ Befragt man das betroffene Kind antwortet es oft: „Die anderen mögen mich nicht. Warum weiß ich aber nicht.“ Handelt es sich um einen Jugendlichen, antworten diese meistens: „Ich komme mit den anderen nicht so klar und sie nicht mit mir.“
Das Gefühl, nicht dazu zu gehören oder seinen Platz nicht zu kennen, ist ein hartes Los und nichts, was man sich wünscht oder aussucht. Eltern solcher Kinder machen sich deswegen oft noch mehr Sorgen als andere und versuchen ihm Möglichkeiten zur Entfaltung zu geben oder Gelegenheiten zu verschaffen, sich mit anderen anzufreunden.

Der- oder diejenige, die davon betroffen ist, leidet allerdings am meisten darunter. Solche Menschen verstehen sich oft lange Zeit selbst nicht und verbringen viel Zeit damit, die richtige Identität und somit den richtigen Platz in ihrem Leben zu finden. Seinen Platz im Leben zu finden ist als Aufgabe für sich schon nicht einfach, wenn man dabei auch noch lernen muss mit sich selbst ins Reine zu kommen, ist das doppelt so schwer. Man quält sich mit Fragen wie „Was ist nur los mit mir? Warum mögen mich die anderen nicht? Stimmt etwas nicht mit mir? Nicht verwunderlich, dass solche Fragen nicht unbedingt gut für das Selbstwertgefühl sind.

Der Grund für das nicht hineinpassen: Individualität

Kennst du solche Menschen in deinem Umfeld oder gehörst du vielleicht selber dazu? Stehst du abseits, ohne es zu wollen und leidest womöglich auch darunter?

Wenn du zur ersten Gruppe gehörst, also jemand bist, der einen oder mehrere Persönlichkeiten in seinem Umfeld hat, die aus der Reihe tanzen und dir somit befremdlich erscheinen, dann mach dir folgendes bewusst: Dein Gegenüber ist ein Mensch wie jeder andere auch und verdient es, als solcher behandelt zu werden. Ja er ist womöglich anders und hebt sich von der Masse ab, aber solche Menschen haben eine wichtige Botschaft, die unser Leben stark bereichern kann. Der Versuch, sich auf solche Menschen einzulassen, könnte sich also lohnen.

Wenn du zur zweiten Gruppe gehörst, dann lass dir sagen: Du bist nicht weniger Wert als die breite Masse, nur weil du nicht so ohne weiteres hineinpasst. Deine wenn auch unfreiwillige Neigung, aus der Reihe zu tanzen, ist nichts anders als der Ausdruck deiner Individualität.

Denn genau darin besteht im Grunde der einzige Unterschied zwischen „Außenseitern“ und „normalen Menschen“. Außenseiter haben zumeist eine deutlich individuellere Persönlichkeit als normale Menschen und müssen diese oft erst in einem eigenen Entwicklungsprozess für sich erschließen. Sie müssen oft mehr ausprobieren, um sich selbst in all ihren Facetten wahrzunehmen und kennenzulernen. In der Kindheit sind sie ein unbeschriebenes Blatt, noch mehr als andere Kinder, weil sie im Gegensatz zu ihnen auch in Bezug auf sich selbst noch keinerlei Kenntnisse haben. Aus diesem Grund scheint man mit ihnen zunächst nichts anfangen zu können, weshalb sie oft keine oder nur wenige Freunde haben.

Als Konsequenz erwerben solche Persönlichkeiten zwangsläufig größere persönliche Stärke und Belastbarkeit, weil sie mehr auf sich nehmen mussten. Zudem sind sie meist sensibler, d. h. sie durchschauen Menschen oft schneller als andere und erkennen, welche ihnen gut tun und welche nicht. Viele prominente Persönlichkeiten hatten Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Identität, aber genau aus diesem Grund haben sie mehr als andere erreicht.

Gestatte dir ruhig „anders“ zu sein

Solltest du also ein Mensch sein, der nicht in den von der Gesellschaft vorgefertigten Rahmen passt, dann versuche auch nicht, dich darin hinein zu zwängen. Es wird dich nur unglücklich machen. Lasse dich stattdessen auf dich und die Suche ein und erforsche deine Interessen. Nur so findest zu entsprechenden Zugang zu deiner einzigartigen Persönlichkeit. Gleichzeitig erfährst du auch so unmittelbar deine Stärken und Schwächen. Mit zunehmenden Erkenntnissen gelangst du so zu mehr Selbstbewusstsein und bekommst eine klarere Vorstellung davon, was du im Leben bewirken möchtest.
Aus diesem Grund ist es solchen Menschen später letztendlich vollkommen gleichgültig, ob sie dazu gehören oder nicht. Sie sonnen sich in ihrer Individualität und verweigern die Anpassung, sprich sie rebellieren und das mit Stolz. Sie gehen ohne faule Kompromisse ihren Weg und akzeptieren  nur Menschen, die sie bereichern und nicht behindern. Sie sagen frech „na und?“ zu den gängigen Vorstellungen.

Das mag rücksichtslos wirken, aber dabei darf man nicht vergessen, dass solche Menschen genug Widerstand und Intoleranz von anderen erfahren haben, bis sie mit sich selbst ins reine gekommen sind. Ihnen wurde fälschlicherweise vermittelt, dass mit ihnen etwas nicht in Ordnung ist, obwohl sie nur einen anderen Entwicklungsstand als andere hatten und haben.

Solltest du also jemals auf so einen Menschen treffen, dann begrüße ihn und höre dir seine Botschaft an. Sie kann für dein aktuelles Leben hilfreich sein. Wer weiß außerdem, ob du nicht einen besonders wertvollen Gefährten gefunden hast. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Vielleicht begleitet er dich nur eine Zeit lang, oder bleibt dein ganzes Leben bei dir, aber in jedem Fall wirst du seine Gegenwart als bereichernd erleben. Womöglich entdeckst du dadurch den Individualisten in dir. Sicher ist der Umgang mit solchen Menschen eine echte Herausforderung, da sie einen praktisch zwingen, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und unsere grauen Zellen herausfordern, aber nur so wächst man.

Also sprenge ruhig den Rahmen und zeige, dass es auch anders geht!

Alles Liebe

Sayeda

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