Angst vor Veränderung

Wie Du die Bremse in Dir löst

Angst hilft Dir, Dich besser kennen zu lernen und zu akzeptieren

Angst begleitet uns ein Leben lang. Angstgefühle können schon im Mutterleib erfahren werden. So übertragen sich langfristige Grundgefühle der Mutter bereits auf das ungeborene Kind. Doch Angst hat noch viele weitere Dimensionen. Einige davon, möchte ich kur z beleuchten.

So wird in der Psychologie seit langem diskutiert, ob wir auch Ängste unserer Vorfahren über die Genetik weitervermittelt bekommen haben.

Was wir uns alle wünschen, wäre ein Leben ohne Angst und Sorgen. Angst erscheint uns als Hemmschuh auf dem Weg zum Ziel. Und Ängste sind etwas, die in unserer Gesellschaft nur selten nach außen getragen werden. Trotzdem sind sie stetig präsent.

Doch was ist Angst genau?

Letzten Endes ist Angst eine Vorahnung, dass etwas schief gehen könnte. Ein Gefühl, dass wir einer bestimmten Situation nicht gewachsen sind.
Angst ist ein Gefühl, dass unsere Existenz bedroht sein könnte. Eine Befürchtung, dass entweder unser Ego, oder aber sogar unsere tatsächliche Existenz ausgelöscht werden könnte.

Unsere Angst zeigt uns auf, dass möglicherweise Gefahr droht. Sie hilft uns, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen um diese abzuwenden.

Das kann eine durchaus nützliche Funktion der Angst sein. Problematisch ist das nur dann, wenn es sich nur um eine vermeintliche Gefahr handelt. Objektiv also gar keine Gefahr vorliegt.

Das möchte ich Dir gerne etwas genauer erläutern.

Beschäftigen wir uns zuerst mit dem Ego. Wir alle spielen eine bestimmte Rolle im Spiel des Lebens.
Wir spielen eine Rolle im Beruf und wir spielen eine bestimmte Rolle im Privatleben.
Das Leben scheint ein einziges Schauspiel zu sein.
Über die Jahre hinweg, haben wir ein Selbstbild entwickelt, dem wir entsprechen wollen. Oder von dem wir denken, dass wir ihm entsprechen müssen.

Grund für dieses Selbstbild sind unsere Erfahrungen. Ich habe das schon an anderer Stelle wiederholt ausgeführt. Den stärksten Einfluss auf unser Selbstbild hatten die Personen, die uns in den frühen Jahren unserer Entwicklung begleitet haben. Also Eltern, Geschwister, Freunde, Lehrer, usw.

Von frühester Kindheit an, haben wir erfahren, was seitens der Gesellschaft toleriert wird und was zu negativem Feedback geführt hat.

Wir mussten erfahren, wann unser Verhalten sanktioniert wurde. Legten wir dieses Verhalten dann weiter an den Tag, führte das dazu, dass die Sanktionen seitens Dritter intensiviert wurden.

Das prägte auch das Bild, das wir nach und nach von uns selbst entwickelten.
In Zukunft vermieden wir also Verhaltensweisen, von denen wir wussten, dass sie Ärger einbringen würden. So wurden die Regeln Dritter immer mehr zu unserem eigenen Verhaltensrepertoire. Ganz egal, wie sinnvoll und idiotisch diese Regeln auch waren, sie wurden uns in die Festplatte gebrannt.

Dies hatte natürlich auch Auswirkungen auf unsere Gefühlswelt. Alleine die Vorstellung, gegen die Regeln Dritter zu verstoßen, führte zu schlechten Gefühlen.
Kein Wunder, drohten doch Sanktionen, die es zu vermeiden galt. Je ausgeprägter die Sanktionsgefahr war, desto stärker waren auch unsere Gefühle in die Thematik involviert.
Umso stärker war also auch die Angst, vor den negativen Folgen unseres Handelns.

Heute weißt Du, dass auch Erwachsene nicht unfehlbar sind. Dieses Wissen ging Dir als kleines Kind jedoch ab. Du hattest auf Grund Deines eingeschränkten Intellekts damals keine Chance, Regeln zu hinterfragen, geschweige denn sich gegen sie aufzulehnen.

Den meisten Menschen ist diese Konditionierung jedoch nicht mehr bewusst.
Die Regeln Dritter wurden immer mehr zum eigenen Verhaltensrepertoire das nicht mehr hinterfragt wurde. Mehr und mehr identifizierte man sich mit den gelernten Regeln. Selbstbild und Glaubenssätze manifestierten sich mehr und mehr. Das geht soweit, dass man diese Regeln gegenüber Andersdenkenden teils vehement verteidigt, denn unbewusst ist da immer noch die Angst vor negativen Sanktionen. Erst unter Hypnose wird deutlich, wo bestimmte Verhaltensweisen herrühren.
Doch Im Alltagsbewusstsein, denkt der Mensch über diese Zusammenhänge nicht mehr nach.
Er identifiziert seine eigene Person voll und ganz mit dem Regelwerk Dritter.

Und so stellen Deine Glaubenssätze die eigentlichen Widerstände auf dem Weg Deiner Veränderung dar.

Kommen wir zu einer dritten Dimension der Angst. Es geht um unser genetisches Erbe. In der Psychologie wird seit Jahrzehnten diskutiert, ob Erfahrungen und Ängste unserer Ahnen bis heute auf uns wirken.
Ich würde das auf Grund meiner Erfahrungen bejahen.

Genannt wird in diesem Zusammenhang die Angst des Individuums, aus der Sippe ausgestoßen zu werden.

In grauer Vorzeit, bedeutete Verbannung vor allem Schutzlosigkeit und führte im schlimmsten Fall zum Tod. Um das zu verhindern, hielt man sich tunlichst an die Normen, Werte und Regeln der Gruppe. Auch hier manifestierten sich Angstgefühle, die scheinbar bis heute über die Genetik weitergetragen werden.

Veränderung bedeutet ja immer auch, dass du die Regeln Deines sozialen Umfelds zumindest teilweise in Frage stellst. Du stellst also die Regeln Deiner Sippe in Frage.

Indem Du Dich veränderst, riskierst Du also, von Deiner Gruppe verstoßen zu werden. Unbewusst löst das Ängste in Dir aus.
Je nachdem, wie stark diese Ängste in Dir ausgeprägt sind, können Sie Dich in Deinem bisherigen Leben festhalten

Doch wenn Du erst einmal erkannt hast, dass Du Deinem bisherigen Lebensweg nicht mehr folgen kannst, wenn du damit begonnen hast, Deine bisherigen Verhaltensweisen auf den Prüfstand zu stellen, kommst Du nicht umhin, Dich auch mit Deinen Ängsten zu konfrontieren.

Was glaubst Du, was dann passieren wird? Wie wird Deine Umwelt reagieren?
Deine Freunde, Verwandte und Bekannte haben alle ein ganz bestimmtes Bild von Dir.
Ein Bild, das sich auf Grund Ihrer Erfahrungen im Umgang mit Dir manifestiert hat. Was würdest Du denn sagen, wenn Dein rotes Auto plötzlich grün wäre.

Richtig, Du willst es erst einmal nicht haben. Es gab ja gute Gründe dafür, dass du Dir ein rotes Auto gekauft hast. Vielleicht gewöhnst Du Dich nach einiger Zeit daran, oder noch besser: Grün ist ohnehin Deine Lieblingsfarbe.
Und das Gleiche passiert auch im Umfeld meiner Klienten.

Kurz nachdem die Veränderung angegangen wurde, trudelt das erste Feedback ein. Es lautet in etwa: „Du bist nicht mehr so wie früher.“
Und das ist natürlich auch wahr.

Natürlich bist Du nicht mehr so wie früher. Das war ja Dein Ziel und eigentlich müsstest Du jetzt stolz sein, denn Du bist schon so weit auf Deinem Weg vorangeschritten, dass selbst andere Personen merken, dass sich etwas in Deinem Leben verändert hat.

Es passiert aber das Gegenteil und das ist auch der Grund, wieso wir hier zuerst einmal die Hintergründe von Angst beleuchtet haben, denn Du sollst nachvollziehen können, wieso Deine Emotionen nun eine kleine Achterbahnfahrt hinlegen.

Einerseits bist Du stolz, dass Du Dein Leben in neue Bahnen lenkst, andererseits kommen jetzt die ersten Ängste hoch. Und das ist ganz normal. Alleine Dein Wissen um diese Gesetzmäßigkeit macht es Dir leichter, mit diesen Ängsten umzugehen.

Was passiert in dem Moment, in dem Du Feedback von außen bekommst?
Du fällst zurück in die Kindheit oder vielleicht auch Dein genetisches Erbe und im gleichen Moment fragst Du Dich, ob möglicherweise Sanktionen, wenn nicht sogar der Ausschluss aus der Sippe droht. Das macht Dir gelinde gesagt ein schlechtes Gefühl.
Du hast Angst, von Deinen Freunden, von Deiner Familie und Deinen Kollegen in Frage gestellt, verlassen zu werden.

Denk noch einmal kurz darüber nach. In Deiner Kindheit hast Du gelernt, Verhaltensweisen zu vermeiden, die von Dritten kritisch beurteilt werden.

Das hat Dich zu dem gemacht, was Du heute bist.

Alle Handlungen und Verhaltensweisen, die dieses Bild gefährden könnten, hast Du über lange Zeiträume vermieden. So hast Du kritisches Feedback, aber auch seelische Verletzungen vermieden.

Der Preis jedoch war immens hoch, denn Du hast Dich teilweise aufgegeben.

Es war eine Strategie der Vermeidung, die Du jetzt im Rahmen Deiner Veränderung nicht länger verfolgen willst oder kannst.

Noch einmal: Feedback Dritter – auch kritisches Feedback – beweist Dir, dass Du bereits einen neuen Weg eingeschlagen hast. Es zeigt Dir, dass Deine Veränderung begonnen hat.

Das Boot hat vom Ufer abgelegt.

Dann kommt eine herausfordernde Phase in Deiner Veränderung. Während das Ablegen noch jede Menge Spaß gemacht hat, kommt jetzt die Phase der Zweifel.

Du hast - zumindest mental – Deine Sippe verlassen. Du hast so manchen Ballast über Bord geworfen und mit der Fahrt sind natürlich auch Risiken verbunden.

Das alles ist Dir bewusst und es ist auch ganz normal. Trotzdem kommt die Angst in Dir hoch, denn Du hast Dich dazu entschieden, ab sofort nach eigenen Regeln zu leben.
Regeln, die vielleicht die Regeln Deiner Umwelt verletzen.

Und immer dann, wenn Deine neuen Regeln mit den Regeln der Sippe kollidieren, kommt dieses mulmige Gefühl in Dir hoch. Das Relikt Deiner Vergangenheit.

Die Festplatte löscht man eben nicht einfach so.

Jetzt ist Dein Verstand gefragt.
Frage Dich: Weisen die aufkommenden Ängste auf reales Gefahrenpotential hin, oder handelt es sich lediglich um Echos Deiner bisherigen Konditionierungen?

Die Antworten werden nicht immer eindeutig ausfallen. Die Beurteilung Deiner Ängste ist eine Gratwanderung, die sich am besten im regen Austausch mit anderen Menschen beschreiten lässt.
Am besten handelt es sich dabei um Personen, die selbst Veränderungsprozesse durchschritten haben.
Die um die Hürden auf dem Weg zum Ziel wissen und die Dir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Jeder Veränderungsprozess gibt Dir Hinweise auf die wirklich wesentlichen Dinge im Leben.
Du wirst Dich besser kennenlernen. Wirst mehr und mehr feststellen, was Du wirklich willst und was Du nur deshalb machen würdest, weil es Dir anerzogen wurde.

Finde heraus, wer Du wirklich bist. Wo Deine Stärken und Schwächen liegen, um diese voll und ganz zu integrieren.

Oft ist eine tiefe innere Leere der Hintergrund, wieso Menschen mit mir arbeiten.
Sie fühlen sich emotional völlig ausgebrannt. Auf dem Weg Ihrer Veränderung weicht die Leere dann intensiven Gefühlen wie unbändige Freude, aber auch Trauer, Frust und Angst.

Angst ist kein schönes Gefühl. Aber es ist ein Gefühl, das mit der Lebendigkeit erst einmal einhergeht.
Den eigenen Weg zu gehen erfordert Mut und immer wieder wirst auch Du auf diesem Weg mit Deinen Ängsten konfrontiert werden.

Rechne damit und Du wirst nicht überrascht sein.
Angst ist nicht schlimm. Wir haben nur verlernt, sie anzunehmen.

Geh einfach in das Gefühl und frage Dich, wieso diese Angst da ist. Vor was hast Du Angst. Und immer dann, wenn du eine Antwort gefunden hast, gehst Du noch tiefer in das Gefühl hinein und hinterfragst es.

Fühl das Gefühl vollends aus. Du wirst sehen, dass es irgendwann verpufft.
Und mach Dir klar, dass diese Gefühle nicht erst da sind, seit Du Dich auf den Weg der Veränderung gemacht hast.

Die Ängste waren schon immer da. Doch in dem Moment, in dem Du Deinem eigenen Weg folgst, Dich so annimmst, wie Du wirklich bist, treten diese Ängste zu Tage.
Du darfst endlich wieder fühlen und logischerweise, gibt es da einiges aufzuarbeiten, wenn Du über lange Zeit hinweg, Deine Gefühle unterdrückt hast.

Noch einmal. Alle Ängste auf dem Weg Deiner Veränderung waren auch schon da, als du noch in der Vermeidungshaltung warst. Nur damals hast Du einen Großteil Deiner Energie dafür aufgewendet Situationen zu vermeiden, die Dich mit diesen Ängsten hätten konfrontieren können.

Damals hattest Du noch einen Zaun um Dich gebaut. Innerhalb des Zauns drohte keine Gefahr. Doch jetzt hast Du Dich dazu entschieden, den Zaun einzureißen, um die Welt kennenzulernen.

Du wirst Erfahrungen machen, die Du so innerhalb Deines Zaunes nie hättest erfahren können.

Freiheit bedeutet immer auch Risiko.
Freiheit bedeutet aber Grenzen hinter sich zu lassen.

Werde verletzlich und nimm Deine Gefühle wieder wahr.

Verlasse Die Dir selbst auferlegten Grenzen.
Denn diese Fähigkeit zeichnet uns Menschen aus.
In dem Du Deiner Angst begegnest, sie akzeptierst und letzten Endes transformierst, erfährst Du wer Du wirklich bist.

Du kennst den Spruch vom Sprung ins kalte Wasser.
Du weitest Deine Grenzen in dem Du Dich den Herausforderungen des Lebens stellst.

Und es sind Deine Träume, die Dich herausfordern.

Sperr Dich nicht länger ein. Begib Dich auf Deine Reise.
Rechne damit, dass Du auf deinem Weg mit Ängsten konfrontiert wirst.
Sieh diese Ängste jedoch als Schlüssel zu Deinem höheren Selbst.

Sie zeigen Dir wer Du wirklich bist, und in dem Du Sie meisterst, beginnst Du immer mehr in Dir selbst zu ruhen.

Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen.

Dein Gerald

 

 

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